Stadtmuseum : Eine Reise in die Vergangenheit

Wer lebte vor mehr als 7000 Jahren im heutigen Kamen? Warum trugen Jungen in den 1950er Jahren Strumpfhalter? Und warum gab es früher eigentlich dreibeinige Stühle? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden sich im Haus der Stadtgeschichte an der Bahnhofstraße.

Und nicht nur Geschichts-Fans kommen im dortigen Museum auf ihre Kosten. „Ich richte mich immer nach den Adressaten“, verspricht der langjährige Museumsleiter Hans-Jürgen Kistner, der wie sein Nachfolger Robert Badermann und die beiden weiteren Mitarbeiter der Einrichtung kurzweilig durch die Ausstellung führt.

Einzigeartige Funde

Die ältesten Siedlungsspuren in Kamen stammen aus der Jungsteinzeit, sind also mehr als 7000 Jahre alt und im Museum dokumentiert. Über die Qualität der damaligen Werkzeuge staunte auch Historiker Kistner: „Ich habe die Steinbeile mal selbst ausprobiert. Die sind ergonomisch klasse. Da sind wir heute gar nicht so viel weiter.“

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist das Museum beispielsweise für seine Fundstücke aus der Zeit der alten Germanen. „Die Funde sind in ihrer Fülle und Aussagekraft für Nordwestdeutschland einzigartig“, schwärmt Kistner und verweist stolz auf ähnlich lautende Anerkennung namhafter Archäologen. So gehörte das heutige Kamener Gebiet zu den größeren Handelsplätzen von Römern und Germanen vor etwa 2000 Jahren. Belegt wird dies durch zahlreiche Luxus- aber auch Alltagsgüter, so blieben alte Keramikarbeiten und Münzen erhalten.

Einen interessanten Blick auf die Kamener Geschichte ermöglicht ein Stadtmodell, dass Kamen Mitte des 18. Jahrhundert mit seiner Stadtmauern und den sechs Stadttoren zeigt.

Eine Hochburg der Schuhherstellung

Damals gehörte Kamen zu den Hochburgen der Schuhherstellung, in der damals 1500 Einwohner zählenden Stadt waren zeitweise bis zu 28 angesehene Schuhmacherbetriebe beheimatet. Eine alte Werkstatt gibt Einblicke in die Handwerkskunst und verrät, warum der Schuster bei seinen Leisten bleiben sollte. Und wer sich das Stadtmodell genau anschaut, wird einige ungewöhnliche Stadtbewohner entdecken.

Interessante Geschichten gibt es auch zu jüngeren Ausstellungsstücken. So erfährt man, dass Jungen in der Nachkriegszeit Opfer eines ungewöhnlichen Modetrends wurden: Strumpfhalter für Knaben gehörten damals in fast allen Familien wie selbstverständlich in den Kleiderschrank. Nicht nur Hans-Jürgen Kistner wird Mitte der 1950er Jahre froh gewesen sein, als diese Laune der Modewelt wieder verschwand.

Wer im Museum auf den Spuren seiner Vorfahren wandeln möchte, sollte unbedingt das Angebot kostenloser, etwa einstündiger Führungen in Anspruch nehmen. „Es genügt einige Tage vorher anzurufen“, versichert Kistner und empfiehlt Gruppengrößen von fünf bis 25 Personen.

Das Haus der Stadtgeschichte (Bahnhofstraße 21) ist zu erreichen unter 02307/55 34 12 oder per E-Mail museum@nullstadt-kamen.de.