Gemeinden haben lokale Helden

Kamen. Was hat die Entdeckung des germanischen Lagers im Westick mit der Margaretenkirche zu tun? Und was hatte Gertrud Bäumer, nach der eine Straße in Kamen benannt ist, mit der Pauluskirche zu schaffen? Antwort auf viele interessante Fragen bot die Kirchenführung unter der Leitung von Pfarre Vogt zum Auftakt der Local-Heroes-Woche am Sonntag.

Kirchen gewährten weltliche Einblicke

Ein ungewohnt weltlicher Einblick in die örtlichen Kirchen bot sich den Teilnehmern, die sich auf Erkundungstour in Kamens heiligste Stätten begeben hatten. Mit dem Bus ging es auf zur ersten Station, der Margaretenkirche in Methler. Keiner kennt ihre Geschichte so, wie Pfarrer Jochen Voigt. Auf gewohntem Platz, allerdings in ungewohnter Rolle, bewies Vogt vor dem Altar seine Talente als Kirchenführer. Kurzweilig, humorvoll und so gar nicht trocken und langweilig erklärte er die Baugeschichte der fast 800 Jahre alten Kirche.

Und es hätte ja nicht zur Local-Heroes-Woche gepasst, hätte nicht auch die Margareten-Kirche ihren eigenen lokalen Helden zu bieten. „Otto Prein, nach dem auch die Straße benannt ist, war hier Anfang des 20. Jahrhunderts als Pfarrer beschäftigt“, erzählte Voigt. „Prein war leidenschaftlicher Hobby-Archäologe“, beschrieb Voigt die andere Seite des Pfarrers. Die Ausgrabung des germanischen Lagers im Westick und die Entdeckung des Römerlagers im Bergkamener Stadtteil Oberaden gehen maßgeblich auf sein Mitwirken zurück.

Mindestens ebenso spannend war der Vortag von Dagmar Müller in der Pauluskirche. Untrennbar mit der Pauluskirche verbunden sei der Lebensweg von Gertrud Bäumer, „der lokalen Heldin dieser Kirche“, so Müller. „Im Alter von nur 19 Jahren kam sie in die Stadt, in der ihr Onkel als Pfarrer arbeitet, um zu unterrichten“, erklärt die Kirchenführerin und erzählt die Geschichte der jungen Frau, die sich ihr ganzes Leben lang für andere stark gemacht hat. Dagmar Müller nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise in die Zeit von Gertrud Bäumer.

Weiter ging es zur Lutherkirche. „Ich finde es sehr interessant, gerade weil man auch viel Persönliches mit den Kirchen verbindet“; erzählt eine Teilnehmerin, die lange Jahre neben der Lutherkirche gewohnt und jeden Morgen von den Glockenklängen begleitet wurde. Die Route durch Kamens Kirchengeschichte führte weiter nach Heeren-Werve. Und auch dort gab es viel Geschichte und auch viele Geschichten zu erzählen.