Kulturhauptstadt als Schnäppchen

Kamen. Für Christian Frieling dauerte das Kulturhauptstadtjahr zwei Jahre. Allein 26 Steuerungsgespräche in Essen brachte der Kamener Kulturhauptstadtbeauftragte hinter sich. Doch das Ergebnis hat sich gelohnt. Quer durch alle Parteien herrscht Begeisterung über kulturelle Vielfalt zum „Schnäppchenpreis“.

Den Schlusspunkt setzte am gestrigen Abend eine Lesung mit Petra Reski. Krankheitsbedingt war deren Besuch an den Schluss des Veranstaltungsreigens gerutscht (Bericht folgt). Den Auftakt dagegen hatte die Schachtzeichenaktion geliefert. Trotz der Wetterprobleme und technischen Pannen sei der Zuspruch schon dabei groß gewesen, so Frieling. Der Sing Day of Song, eine Kulturhauptstadtvariante des jährlichen Chortreffens am Koppelteich brachte einen echten Rekord. Mehr als 1000 Besucher störte auch nicht, dass ein per Radio koordinierter ruhrgebietsweiter Chor nicht ganz klappte.

Ausgerechnet der Kamener Höhepunkt des Ruhr.2010-Reigens, hatte die Kulturhauptstadtzentrale in Essen anfangs weniger begeistert. Zuletzt aber sei man auch dort voll überzeugt gewesen. Schon die Eröffnung besuchten mehr als 1000 Gäste. Allein das Boot auf der Seseke mit wöchentlich neuem Inhalt lockte viele Besucher, die Pixelröhre war gefragtes Fotomotiv. 13 Universitäten schickten Delegationen, 53 Bustouren startete der Lippeverband, unzählige Radtouren entlang der Kunstobjekte wurden von verschiedenen Gruppen organisiert.

Besucherrekorde gleich in Serie

Wie viele Besucher es insgesamt waren, sei nicht schätzbar und weil ein Teil der Objekte auf Dauer bleibt, reiße deren Strom auch nicht ab.

Für die Local Heroes-Woche geht die Stadt von mehr als 12 000 Besuchern aus. „Toll was da auf die Beine gestellt wurde“, dankt Christian Frieling allen beteiligten Gruppen und Einzelpersonen. Der frühe Start der Vorbereitungen habe sich gelohnt, Mehr als 40 einzelne Veranstaltungen darunter große Kunstevents wie der Kunstsonntag und die Kunstmesse Art wurden so möglich. Und gekostet hat die Stadt das komplette Ruhr.2010-Programm am Ende ganze 7000 Euro – auch Dank der Unterstützung des Lippeverbandes für das Über-Wasser-Projekt und des Zuschusses von 2 Euro pro Kopf für alle Ruhr.2010-Kommunen.

Viel Lob spendete der Kulturausschuss am Montag allen Beteiligten und insbesondere der Kulturverwaltung im Rathaus. Die Vielfalt der Angebote und die neu entwickelten Kooperationen auch mit Nachbarstädten beeindruckten alle Fraktionen, aber auch die Qualität vieler Einzelveranstaltungen, zum Beispiel die des großen Holocaust-Konzertes der Musikschule in der Stadthalle.

Auch Bürgermeister Hermann Hupe sieht im Rückblick in Kamens Beitrag zu Ruhr.2010 „ein starkes Signal.“ Roland Borosch fasste die Begeisterung im Kulturausschuss zusammen: „Eine ganz hervorragende Geschichte“.