Technik und Teamwork sind Trumpf

Kamen. Das Technische Hilfswerk Kamen-Bergkamen muss sich nach dem Aussetzen der Wehrpflicht im Juli 2011 auf neue Rekrutierungswege für seine Helfer einrichten. An der Einsatzbereitschaft des Zuges selbst wird sich nach Einschätzung des THW-Ortsbeauftragten Uwe Hauptreif allerdings nichts ändern: „Ich sehe derzeit durch das Aussetzen der Wehrpflicht keine Existenzgefährdung!“

Insgesamt hat die THW-Ortsgruppe 133 Mitglieder: 58 Aktive, 31 Reservehelfer, 20 Althelfer und 24 Junghelfer. Von den 58 Aktiven, die den überwiegenden Anteil der Dienste und Einsätze bestreiten, sind derzeit etwas mehr als ein Viertel für eine Dauer von vier Jahren verpflichtet.

Künftig auch gezielt Erwachsene werben

Zwar ist rechtlich noch nicht geregelt, welche Folgen der Fortfall der Wehrpflicht für diesen Helferkreis hat, Hauptreif geht aber davon aus, „dass der Dienst beim THW auf freiwilliger Basis weitergeführt wird. „Alle haben erklärt, bleiben zu wollen“, freut sich der THW-Chef und wertet das auch als „Ausdruck für eine hervorragende Kameradschaft und ein attraktives Tätigkeitsfeld beim THW“.

Dennoch sieht er natürlich, dass es künftig nicht mehr so leicht sein wird, in der Zielgruppe der 18- bis 24-Jährigen neue Helfer zu finden. Noch freilich ist das THW durch gute Nachwuchsförderung in den Reihen der eigenen Junghelfer (12- bis 18-jährige Jugendliche) gut aufgestellt. „Künftig werden wir uns aber auch ganz gezielt um junge Familienväter bemühen, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt, und die sich mit ihrem Fachwissen bei uns einbringen können und wollen.“ Konkret sucht Hauptreif zurzeit zum Beispiel eine Fachfrau oder einen Fachmann für die Verwaltung und einen Bauingenieur oder Architekten, die sich ehrenamtlich im THW engagieren wollen.

Finanziert wird das THW vom Bund. Dafür stehen jährlich bisher rund 177 Millionen Euro zur Verfügung. Davon fließen 23 Millionen an die THWs in NRW. Die Ortsgruppe Kamen-Bergkamen muss mit 7 500 Euro haushalten. Davon sind im wesentlichen die Ausbildung und die Verpflegung der Helfer zu bezahlen. Konkret: Pro Ausbildungstag und Helfer gibt es 2,70 €. Auch die Spritkosten für die Einsatzfahrzeuge muss die Ortsgruppe selbst tragen. Die Kosten für den Betriebshof an der Werner Straße trägt allerdings die Immobilienanstalt des Bundes. Der Bund übernimmt im Einsatzfall auch die Kosten, die dem Arbeitgeber durch die Freistellung der Helfer entstehen.

Im Alltag leistet das THW in Gefahren- und Notsituationen immer wieder Hilfe und Unterstützung für Feuerwehr- und andere Rettungskräfte.

Hochwassereinsatz in Holland

Die Kamener haben sich dabei insbesondere auf zwei Feldern durch intensive Schulungsmaßnahmen (allein im vergangenen Jahr gab es 22!) besonderes Fachwissen und inzwischen auch überregional einen exzellenten Ruf erworben: Sie sind Experten in der Schneelastberechnung und -messung, aber auch im Abstützen und Aussteifen einsturzgefährdeter Gebäude. „Beides kam jüngst bei einem Einsatz in Dortmund zum Tragen, wo ein Hallendach auf ganzer Länge teilweise eingestürzt war“, erklärt Hauptreif. „Auch bei der Schneelastmessung auf Dächern von öffentlichen Gebäuden sind wir behilflich.“

Auch beim Hochwasserschutz ist das Kamener THW aktiv. Zuletzt freilich nicht an Seseke und Lippe, sondern im holländischen Roermond. Zwei Helfer stellten in einer nahe gelegenen 90 Personen-Gemeinde mit ihrem Flachboot die Versorgung und Mobilität sicher, nachdem drei umliegende Seen zu einem zusammengelaufen waren und den Landstrich unter Wasser gesetzt hatten. Solchen und ähnlichen Herausforderungen will sich das THW auch künftig unter veränderten Rahmenbedingungen stellen.