Drei „Talsperren“ schützen Kamen

Kamen. 35 000 Liter pro Sekunde flossen beim letzten Seseke-Hochwasser zu Beginn dieses Monats am Messpegel am Sesekedamm vorbei, soviel wie der Inhalt von 175 gut gefüllten Badewannen gleichzeitig. Sekunde für Sekunde, und das tagelang. Pegelhöchsstand: 3,20 Meter.

Zufrieden durfte der Lippeverband anschließend feststellen, dass alle im Zuge der Seseke-Renaturierung installierten Uferbefestigungen stand hielten. „Möglicherweise haben wir in diesem Winter sogar zum letzten Mal im Kamener Stadtgebiet so hohe Pegelstände erlebt“, glaubt Lippeverbands-Pressesprecher Michael Steinbach. Seine Einschätzung ist wohl begründet. Denn zwei riesige Rückhaltebecken, die derzeit noch im Bau sind, sollen die Wassermassen künftig zügeln.

Bauwerke kosten über 15 Millionen €

Eines davon, das Hochwasser-Rückhaltebecken (HRB) Kortelbach an der Schillerstraße in Heeren, steht kurz vor der Fertigstellung und soll noch im April in Betrieb gehen. Das zweite HRB in Bönen soll im Januar 2012 seiner Bestimmung übergeben werden. Das Becken in Heeren hat eine Fassungsvermögen von 104 000 Kubikmetern, das in Bönen ist mit einer Kapazität von 340 000 Kubikmetern das größte bisher jemals gebaute HRB des Lippeverbandes, der dann insgesamt 31 Rückhaltebecken in seinem Gebiet betreibt.

Diese beiden Hochwasserrückhaltebecken werden gemeinsam mit der bereits Ende der 90er Jahre fertiggestellten Anlage in Dortmund Scharnhorst (Kapazität auch hier über 300 000 Kubikmeter) die Wasserstände von Körne und Seseke bei Hochwasserlagen regulieren.

Alle drei Bauwerke weisen Dimensionen auf, die sie wasserrechtlich als Talsperren einordnen. „Praktisch bedeutet dies, dass im Hochwasserfall, Stauwärter an den jeweiligen Anlagen vor Ort sind“, erklärt Steinbach. Ihre Aufgabe besteht dann darin, zu kontrollieren, dass die Schieber am Auslauf des Beckens korrekt funktionieren.

Dirk Klingenberg, der für Bau und Planung des Bauwerkes in Heeren zuständige Fachmann, präzisiert: „Kortelbach und Mühlbach fließen durch eigene Einläufe in das neue Rückhaltebecken. Am Auslauf kontrolliert ein Schieber bei Hochwasser, dass maximal 4,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde das Becken kontrolliert verlassen. Der Rest staut sich im Becken und wird später abgelassen.“ Und zwar immer soviel, wie die Seseke aufnehmen kann. „Es würde Tage dauern, bis das HRB voll läuft“, erklärt Klingenberg.

Aber genau dieser Zustand soll durch den geregelten Abfluss gar nicht erst eintreten. „Denn nichts wäre schlimmer, als wenn wir in diesen Becken bei anhaltenden Starkregenfällen oder hohe Wasserzuläufen in Folge von Tauwetter keine Reserven mehr hätten“, sagt Steinbach. Zur Verdeutlichung blickt er noch einmal auf das jüngste Januar-Hochwasser zurück. „Da war in Scharnhorst erst das kleinere der beiden Becken dieser Anlage voll. Wir hatten also noch viel Luft nach oben.“

Die Kosten aller drei Rückhaltebecken gehen in die Millionen: Scharnhorst, noch zu DM-Zeiten abgerechnet, 10,3 Millionen, Bönen rund 6,5 Millionen Euro und das Bauwerk in Heeren mit circa fünf Millionen.