Experten fordern mehr Vorsorge

v.l.n.r.: Norbert Vongehr, Dr. Günter Hartleb (Hellmig KH), Friedhelm Lipinski (SPD)
v.l.n.r.: Friedhelm Lipinski, MdB Oliver Kaczmarek (SPD), Thomas Müller  (KV Westfalen/Lippe)
v.l.n.r.: Friedhelm Lipinski, MdB Oliver Kaczmarek (SPD), Thomas Müller (KV Westfalen/Lippe)

Kamen. Rund 30 Interessenten, überwiegend Mitglieder der eigenen Partei, nahmen am Dienstagabend in der Stadthalle an der Podiumsdiskussion des SPD-Stadtverbandes zur Gesundheitspolitik teil.

Deren Vorsitzender Friedhelm Lipinski beschränkte sich weitgehend auf die Moderation und überließ politische Bewertungen dem Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek, der neben ihm Platz genommen hatte. Als sachkundige Experten zum Thema vervollständigten Norbert Vongehr, Geschäftsführer des Hellmig Krankenhauses, dessen Ärztlicher Direktor, Dr. Günter Hartle, und Thomas Müller von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen/Lippe das Podium.

Viel Neues erfuhren die Zuhörer an diesem Abend nicht. Vor dem Hintergrund der Kostenbegrenzung im Gesundheitswesen und dem demographischen Wandel, beklagte Kaczmarek die Ungerechtigkeit des Systems, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht mehr zu gleichen Teilen zur Zahlung der Kassenbeiträge herangezogen würden, dass die Mehrkosten vielmehr künftig ausschließlich auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Außerdem entscheide nach wie vor „der Geldbeutel über die Gesundheit“. Kaczmarek verwies in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen zur Zahngesundheit bei Kindern. Bei der Finanzierung des Gesundheitswesens sollte künftig wieder das Solidaritätsprinzip mehr Beachtung finden: „Starke Schultern müssen mehr tragen als schwache!“ Abgesehen davon gelte es die Eigenverantwortung von Patienten zu stärken und mehr Gesundheitsvorsorge zu betreiben.

Dr. Hartleb unterstützte diesen Ansatz: „Wenn ich sehe, dass 20 bis 30 % der Bürger heute übergewichtig sind und das mit einem erhöhten Krankheitsrisiko verbunden ist, wird deutlich, wie wichtig Präventionsmaßnahmen bereits im Kindergarten und in der Schule sind.“ Hartleb lobte insbesondere das Engagement der rund 250 Selbsthilfegruppen im Kreis, „ohne die es um die Gesundheit schlechter bestellt wäre“. Vor allem nach Krankenhausaufenthalten hält er deren ehrenamtliches Engagement für unverzichtbar, „weil wir dass mit unserem Personal gar nicht mehr leisten könnten.“

Hartleb merkte kritisch an, dass sich auch vor dem Hintergrund des Arbeitszeitschutzgesetzes die Mitarbeiterzahl beim ärztlichen Personal zwar erhöht habe, dass aber beim Pflegepersonal enormer Nachholbedarf bestehe. „Dieser Beruf muss auch durch eine bessere Bezahlung attraktiver gemacht werden, um Fachkräfte in diesem Bereich hinzuzugewinnen!“

Thomas Müller und Norbert Vongehr hoben besonders die Verzahnung der medizinischen Versorgungen im ambulanten und stationären Bereich hervor, die zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung führe. Die künftige Kooperation zwischen dem Hellmig-Krankenhaus und dem benachbarten Ärztehaus sei dafür ein gutes Beispiel.