Rückkehr in das normale Leben

Methler. Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdrutsch in Wasserkurl, durch den gleich mehrere Familien innerhalb weniger Stunden ihr Dach über dem Kopf verloren, wollen sie alle einen Schlussstrich ziehen und nur noch nach vorne blicken. Auch versicherungstechnisch naht offenbar ein Schlussstrich: Die Stadt Kamen will in diesen Tagen einen neuen Sachstand bekannt geben.

Susanne Ballast ist froh, endlich wieder zurück in Wasserkurl zu sein: Weg aus dem menschenleeren Wohngebiet in Massen, raus aus den 70 Quadratmetern für vier Personen und rein ins eigene Heim. Die 48-Jährige ist mit ihrer Familie wieder dorthin zurückgekehrt, wo sie sich alle zu Hause fühlen. Und daran kann auch der verheerende Erdrutsch – ausgelöst durch eine Erdwärmebohrung – nichts ändern. „Ich wollte unbedingt wieder zurück, selbst wenn das für uns eine ziemliche finanzielle Kraftanstrengung bedeutet“, sagt Susanne Ballast. Aber eine Sanierung des etwa 100 Jahre alten Gebäudes wäre teurer gewesen, als neu zu bauen. Susanne Ballast hielt während der Bauphase nichts in Massen: „Jeden Tag bin ich hierher gekommen, mit meinen beiden Hunden, habe jeden Stein begrüßt, der neu gemauert wurde.“

Immerhin, seit Dezember 2010 wohnt die Familie wieder in Wasserkurl. Im neuen Haus, auf rund 160 Quadratmetern. Und sicherem Untergrund. Bestätigt in einem Gutachten, das die Ballasts selbst in Auftrag gegeben haben. Denn das war die Bedingung: „Wir wollten hundertprozentig sicher sein, dass wir hier auf stabilem Grund und Boden bauen“, sagt Susanne Ballast. Jetzt hoffen sie allerdings noch auf eine entsprechende Entschädigung der Versicherung: „Wir warten auf die erlösende Nachricht.“

Das tun auch Kirsten und Frank Neumann. Sie haben ebenfalls ihr Haus verloren, wohnen zur Zeit aber noch in einer Mietwohnung und wollen erst dann wieder neu bauen, wenn die Versicherung tatsächlich zahlt. „Wir wollen nicht auf blauen Dunst finanzieren, deshalb warten wir erst einmal ab.“ Obwohl das schwer fällt. Denn auch Kirsten und Frank Neumann wollen so schnell wie möglich wieder zurück in ihren Stadtteil. Seit Dezember 2009 wohnen sie zur Miete, ihr Haus, das Elternhaus von Kirsten Neumann, wurde abgerissen. „Es tat schon weh, das mitzuerleben. was da in einem vorgeht, kann man einfach nicht beschreiben.“

Andreas Bong und seine Familie wollen Ende des Jahres endlich in ihr neues Haus einziehen. Ihr erster Neubau musste nach dem Erdfall gleich wieder abgerissen werden, jetzt hoffen die Bongs auf einen glücklicheren Verlauf. Doch so recht will keine Freudenstimmung aufkommen. Es ist zu viel passiert. „Neu ist immer schön, aber wir sind nicht mehr so unbefangen,“ sagt Andreas Bong. Die Familie will jetzt nur noch nach vorn gucken und „einfach ein Stück Normalität“ zurück.