Sonne satt und keine Gläser mehr

Heeren-Werve. Für die Heerener war es wie ein Wunder. Drei Jahre lang hatten sie überhaupt keinen Heerener Sommer, in diesem Jahr schon gar nicht. Pünktlich war dann zwischen Kälte-Wellen und Unwettern da – der echte Sommer. Mit derartiger Wucht, dass es am Samstag manchen der Getränkestände in regelrechte Panik versetzte.

„Wir haben keine Gläser mehr!“, riefen die Bierzapfer verzweifelt über die Scharen der Wartenden hinweg. Auch die Belegschaft der Getränkestände war mit ihrer Personenstärke nicht auf diesen Ansturm eingerichtet. „Wir hatten die Umsatzzahlen vom letzten Heerener Sommer – dass es derart voll wird, ist großartig, haben wir allerdings auch nicht erwartet“, meint Frank Murmann, Vorsitzender des Gewerbevereins „Wir in Heeren-Werve“. Die Heerener hielten sich trotz des stockenden Getränkenachschubs nicht zurück und machten den „Burning Hearts“ mit kollektivem Gesang und Tanz ernste Konkurrenz.

Angefangen hatte das bunte Treiben im Stadtteilzentrum deutlich entspannter. Bis zum Nachmittag drängelten sich bereits 700 Besucher über den kleinen Trödelmarkt und zwischen den gut 30 Ständen. Bei hochsommerlichen Temperaturen hüpfte sich die kleine Juli auf der Hüpfburg mit anderen Kindern in restlose Begeisterung und war am Ende klatschnass. „Da müssen wir wohl noch mal nach Hause“, schmunzelt ihre Mutter, die derweil in den Bücherkisten des ökumenischen Bläserkreises stöberte. Am Apothekenstand drehte sich das Glücksrad, beim Optiker war der Kicker im Dauerbetrieb. Bei den Sportschützen konnte man mit dem Laser ins Schwarze treffen, bei der AWO ein gigantisches Brot schätzen und beim Verein „Bürger für Bürger“ sein ehrenamtliches Engagement anbieten.

Anke Sippel und Sandra Kotewitsch hatten dagegen kistenweise kleine Porzellanhäschen, Tassen, Teller und andere Trödelspenden an ihrem Stand aufgebaut. Sie sind seit sechs Jahren die „Hansennanny’s“ von den Kamener Tierfreunden. Sie kümmern sich aktuell um 50 Hasen und Kaninchen, die wegen Allergien abgegeben oder einfach ausgesetzt wurden. Zwei bis drei Mal bekommen sie in der Woche Notrufe. Was eigentlich einmal mit eigenen Hasen im gemieteten Pferdestall eines Heerener Landwirts angefangen hatte, ist inzwischen eine Berufung geworden. Mit den Trödeleinnahmen finanzieren sie Tierarztkosten und Futter.

Direkt vor ihrem Stand spielt sich derweil Kurioses ab. Menschen mit mexikanischen Hüten und Arztkitteln rüsten sich, um mit Mülltonnen, Wassereimern, Einkaufwagen und Bobbycars um die Wette zu rennen. Es siegt der BSV Heeren bei der Jux-Rallye, der ökumenische Bläserkreis holt den Preis für das beste Kostüm.

Ein Heimspiel hat später am Abend
auch „Zeilensprung“. Im Heerener Jugendzentrum hat das Trio einmal mit seinem Deutsch-Rock begonnen. Am Samstag waren Sebastian Koppe alias Sir Alex Wegas und Thomas R. alias Toto Sommer ein echtes Heerener Duo. Gerade erst waren sie in Hannover in dem Studio, wo auch die Scorpions ihre CDs aufgenommen haben. Im nächsten Jahr will „Zeilensprung“ das erste Album herausbringen. Dieser Auftritt war der erste große in Heeren-Werve und „richtig klasse“.