Zur Begrüßung eine Blinddarm-Operation

Kamen. Wo kann ein neuer Chefarzt seine Kollegen besser kennen lernen als im OP. Kaum war Dr. Burkhard Thiel gestern Morgen zu seinem ersten Arbeitstag am Hellmig-Krankenhaus angekommen, da holte ihn der Alltag ein: Erst eine Blinddarm- , danach noch eine Bauch-Operation. Ungewohnt für ihn dabei: „Ich hab in einem OP noch nie mit Musik im Hintergrund operiert. Das war für mich eine neue, aber keine unangenehme Erfahrung“.

Dr. Thiel tritt die Nachfolge von Dr. Günter Hartleb an, der nach mehr als drei Jahrzehnten erfolgreicher Tätigkeit in den Ruhestand geht. „Mein Vorgänger hinterlässt hier ein sehr gut bestelltes Haus. Ich möchte daran anknüpfen und in den kommenden Jahren den vorhandenen Standard weiter ausbauen“, sagte Thiel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit dem Einstieg von Thiel am Hellmig-Krankenhaus geht auch eine Umbenennung der Klinik einher. Sie wird künftig Klinik für Allgemein-, Viszeral-, und Thoraxchirurgie heißen. Bauch- und Brustkorb-Eingriffe sind das Spezialgebiet von Dr. Thiel.

Der neue medizinische Chef am Krankenhaus war bisher an einer großen Klinik in Neumünster als Oberarzt tätig. 600 Eingriffe und Operationen pro Jahr hat er dort durchgeführt. In Kamen will er Tumoroperationen anbieten. ein weiterer Schwerpunkt wird die Schilddrüsenchirurgie sein. zudem will Dr. Thiel auch moderne OP-Techniken wie die laparoskopische Chirurgie (Schlüsselloch-Chirurgie) einsetzen.

„An einem so gut geführten Haus wie in Kamen kann und will ich das Rad aber nicht neu erfinden“, betont Thiel. „Ganz wichtig ist mir der Gedanke der Teamarbeit. Ich werde vor allem zuhören und mir anschauen wie die Abläufe hier sind.“
Neben den Kollegen gilt sein Hauptaugenmerk aber in erster Linie den Patienten. Auch nach mehreren Tausend Operationen habe sich trotz aller handwerklicher Routine, die sich im Laufe der Jahre einstellt, eines bei ihm nie geändert: „Ich betrete den OP jedes Mal wieder mit großem Respekt, weil ich den Menschen sehe, der vor mir liegt.“

Seit einigen Wochen wohnt Dr. Thiel bereits in Kamen. „Der Menschenschlag hier ist mir sehr sympathisch. Die Leute sind offen und sagen gerade heraus, was sie denken. Diese Ehrlichkeit mag ich.“ Seine Frau und die beiden Kinder wohnen derzeit noch in Neumünster, sollen aber im kommenden Jahr ebenfalls nach Kamen kommen.

Was Dr. Thiel künftig in seiner knapp bemessener Freizeit in Kamen unternehmen wird, weiß er noch nicht genau. „Vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit, wieder ein bischen Akkordeon zu spielen, oder ein Konzert in Kamen zu besuchen, wer weiß….“