Hochschultag

Kamen. Beim zweiten Hochschultag in der Kamener Stadthalle nutzten über 1000 Schülerinnen und Schüler aus dem Kreis die Chance, sich über Studiengänge an Hochschulen der näheren Umgebung zu informieren.

Die Stadthalle Kamen war gestern bereits zum zweiten Mal Schauplatz des kreisweiten Hochschultages. Und der Andrang war diesmal noch größer als bei der Premiere vor einem Jahr. Mehr Hochschulen (insgesamt elf), mehr Workshops (36) und viel mehr interessierte Schüler (über 1000) aus dem ganzen Kreis, nutzten das Angebot, um sich aus erster Hand über das ganze Spektrum an Studiengängen der Universiäten und Fachhochschulen zu informieren.

„Natürlich erfährt man viel Wissenswertes aus dem Internet, aber hier kann man Menschen aus Fleisch und Blut seine ganz individuellen Fragen stellen und auch nachhaken“, sagt Mike Grünewald, der mit seinen Kamener Mitschülern Lukas Alberti und Christoph Lusts den Hochschultag besucht. Alle drei gehen auf das Berufskolleg in Unna und finden diese Infoveranstaltung „richtig klasse“ und „super organisiert“. Schlau gemacht haben sie sich über die Angebote der FH und TU Dortmund. „Robotertechnik“ hat Lukas Alberti begeistert, Mike Grünewald hat sich eher für Netzwerktechnik und Systemadministration interessiert, Christoph Lusts fand Programmieren spannend und besuchte einen entsprechenden Workshop.

Mediziner Dr. Bernahrd Marschall von der Universität Münster klärte über Schein und Sein seines Berufs auf. Denn selten läuft es im wahren Leben so wie bei Jan Josef Liefers im „Tatort“.

Hoch im Kurs, das ergab eine Blitzumfrage unter Schülern und Hochschulexperten sind derzeit die dualen Studienangebote, also Ausbildungen mit ergänzendem Studium. Das gilt auch für Tobias Rogalla (17), der zurzeit die 12. Klasse am Gymnasium Kamen besucht und 2013 Abitur machen will, wenn der erste doppelte Abiturjahrgang von der schule geht. „Vielleicht ist es wirklich schlauer, erst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren“, hat er sich überlegt. Industriemechatroniker wäre etwas für ihn. Der workshop „Fahrzeugelektronik“ passte da für ihn gestern wie die Faust aufs Auge. Und auch die Beratung von der TU Dortmund hat ihm weiter geholfen.

Nils Klasen (19), ebenfalls in der 12.Klasse, ist ebenfalls mit seinem Besuch beim Hochschultag zufrieden. Nach dem workshop „Rechtswissenschaften“ weiß er nun: „Das ist nix für mich. Viel zu theoretisch und zu trocken.“ Stattdessen will er sich nun für den gehobenen Dienst bei der Polizei oder beim Zoll bewerben. Praktisch für ihn: Die Polizei war gestern auch vor Ort mit einem Infostand vertreten. Ebenso übrigens auch die Bundeswehr.

Prof. Thomas Felderhoff und Ingenieurswissenschaftlerin Nicole Nennstiel von der Fachhochschule Dortmund zeigten an ihrem Stand technische Rafinessen.

Doch nicht nur Schüler der Klassen 12 und 13 nutzten die Chance sich zu informieren. Sema Timur (15) und Viktoria Melzel (16) wollte sich frühzeitig über berufliche Möglichkeiten orientieren. Dabei musste Viktoria im Workshop Psychologie lernen, dass ein Studium dieses Fachs nicht nur einen erstklassigen NC (1,3) voraussetzt, sondern auch gute Mathe-Kenntnisse. „Das hätte ich nicht vermutet, jetzt heißt es eben pauken, pauken, pauken.“ Sema Timur liebäugelt mehr mit Rechtswissenschaften. Ihre Sprachkenntnisse kommen ihr da jetzt schon entgegen. „In jedem Fall aber haben wir gute Tipps bekommen und werden die Wahl unserer Schwerpunktfächer darauf ausrichten“, sagen sie.

Auch die Vertreter der Hochschulen waren mit dem Verlauf des Tages sehr zufrieden. Vor allem kleinere Fachhochschulen aus der näheren Umgebung, die nicht so bekannt sie wie die großen Unis konnten sich mit ihren Angeboten profilieren. Wie sagte doch Hans-Michael Jakob, Berater für akadische Berufe von der Bundesagentur für Arbeit gestern treffend: „Mit Veranstaltungen wie dieser übernehmen wir hier für die tausenden von Studienangeboten in Deutschland eine Lotsenfunktion und geben erste wichtige Orientierungshilfen.“ Der Bedarf dafür ist riesig, wie der gestrige Tag zeigte. Und die Neuauflage im nächsten Jahr deshalb für Landrat Michael Makiolla selbstverständlich.