Krankenhaus-Finanzierung

Kamen.Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hält Sparmaßnahmen an Kliniken angesichts der Milliardenüberschüsse der Krankenkassen für nicht mehr vertretbar.

Wie beurteilt Norbert Vongehr, Geschäftsführer des Hellmig-Krankenhauses, die Situation?

Das Hellmig-Krankenhaus hat das Geschäftsjahr 2010 mit einem leichten Plus abgeschlossen. Besteht tatsächlich Grund zur Klage?

Norbert Vongehr: 2010 gab es noch die Sondersituation, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Haustarif bezahlt wurden, um den wirtschaftlichen Konsolidierungsprozess an unserem Haus überhaupt zu ermöglichen. Inzwischen werden wieder Tarifgehälter gezahlt. Und wie sie wissen, ist gerade eine Erhöhung von gut 3 % zwischen den Tarifparteien vereinbart worden. Das hat Folgen.

Können Sie das erläutern?

Angesichts der Rahmenbedingungen, die eine Begrenzung der Kostensteigerung im Krankenhauswesen von derzeit 1,98 % festschreibt, die dann nochmals per Beschluss der Bundesregierung um 0,5 % auf 1,48% abgesenkt wurden, ist es für jedes Krankenhaus ausgesprochen schwierig, wenigstens eine Schwarze Null zu erwirtschaften. Wenn man bedenkt, dass Personalkosten rund 60 bis 70 Prozent unseres Budgets ausmachen, wird deutlich, dass man Steigerungen in diesem Bereich nicht durch Einsparungen an Sachleistungen kompensieren kann. Ganz abgesehen davon sind wir Preissteigerungen in anderen Bereichen genauso ausgesetzt wie andere Unternehmen auch, etwa bei den Energiekosten.

Wie lautet daher Ihre Forderung?

Es muss durch gesetzliche Regelungen für eine adäquate Finanzierung gesorgt werden. Und ich betone dabei ausdrücklich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Krankenhäusern nicht von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt werden dürfen. Auch in 20 Jahren brauchen wir noch Frauen und Männer, die bereit sind, diese körperliche und psychisch belastende Arbeit zu leisten.

Das setzt ein attraktives Umfeld und eine entsprechende Bezahlung voraus. Wir können es uns in einer älter werdenden Gesellschaft nicht leisten, einem Versorgungsnotstand Vorschub zu leisten, in dem wir Berufe im Krankenhauswesen durch schlechte Rahmenbedingungen für den Nachwuchs uninteressant machen.