Warnstreik legte Busse lahm

Kamen.„Milliarden für Griechenland, Hunderttausende für Herrn Wulff – wo bleibt da die Gerechtigkeit? Auch wir fordern Ehrensold!“ – Schon früh am Morgen am Tor zum VKU-Betriebshof kochte die Stimmung hoch. Nicht viel lief im Schülerbusverkehr, Taxis meldeten Hochkonjunktur. Auch zwei Sparkassenfilalen in der Stadt blieben erst einmal zu. Mehr als 500 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes im Kreis Unna versammelten sich auf dem Marktplatz.

Zu den Klängen von „You never walk alone“ setzte sich am Mittag der Tross in Bewegung Richtung Rathaus. Zuvor hatten Sprecher von Stadtverwaltungen, Sparkassen, VKU aber auch ein Betriebshofauszubildender Solidarität beschworen.

Es gehe nicht nur um mehr Geld, aber auch, betonten Verdi-Sprecherin Cornelia Hintz und Uwe Fleißig, letzterer auch Vorsitzender des Personalrates der Stadt.

„Schaut neben euch, da seht ihr viele graue Haare“, mahnte Cornelia Hintz. Es werde höchste Zeit für mehr und besser bezahlte Ausbildung und für die Übernahme von Auszubildenden in feste Beschäftigung.

Auch Thomas Tralle, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender schilderte vor dem VKU-Betriebshoftor, dass Durchschnittsalter der Busfahrer liege bei etwa 50 Jahren. Das die noch mit 67 bei verdichtetem Takt und gestiegenem Stress die Busse im Kreis lenken sollten, das gehe doch wohl nicht an.

Auf Arbeitsverdichtung wies auch Uwe Fleißig hin. Mehr als 100 abgebaute Stellen im Rathaus seien nicht zu Lasten der Bürger gegangen, sondern durch Arbeitsverdichtung für Mitarbeiter ausgeglichen worden, betont er. Zugleich sei Reallohn gesunken. „Wir sind mehr wert“, skandierten die 500 auf dem Markt.

Unter ihnen sind Mitarbeiter unterschiedlichster kommunaler Betriebe. Straßen-NRW steht auf einigen Jacken, Auch Rentenversicherungsmitarbeiter stehen hier. Jörg Franke fordert für die Sparkassenbeschäftigten in Stadt und Kreis mehr Lohn ein. Schon jetzt werde in unteren Gehaltsgruppen bei Großbanken 300 Euro mehr verdient, als bei der Kamener Sparkasse. Die Finanzkrise aber hätten diese Großbanken ausgelöst, bei den Sparkassen sei unverändert gute Arbeit geleistet worden. Deren Mitarbeiter könnten nun nicht die Zeche bezahlen , für die Fehler anderer.

Auch Klinikbeschäftigte verweisen auf hohe Arbeitsbelastung. Natürlich sei sichergestellt, so der Betriebsratsvorsitzende der Hellmig-Klinik, Björn Paul Lucht, dass auch an diesem Warnstreiktag der Service im Krankenhaus nicht leide. Für die hohe Arbeitsbelastung aber wolle man auch gerechten Lohn, fordert eine Pflegekraft der Kamener Klinik.

Ab 12 Uhr normalisierte sich der Betrieb, die VKU-Busse fuhren an der Lüner Straße wieder vom Betriebshof. Da es aber bisher nicht einmal ein Angebot der Arbeitgeberseite gibt, rechnen die Sprecher der Belegschaften mit weiteren Streikaktivitäten. Uwe Fleißig: „Die Tarifauseinandersetzung 2012 beginnt heute auf dem Kamener Markt.“