Kaum barrierefreie Angebote:

Kamen.Sozialverbände schlagen Alarm. Es droht ein eklatanter Mangel an seniorengerechten Wohnungen. Hohe Nachfrage bestätigen unserer Zeitung auch lokale Experten. Obwohl Wohnungsgesellschaften zum Teil schon in Umbauten investieren, liegt der Anteil barrierefreier Wohnungen in ihren Beständen meist unter 10 Prozent.

Dass der Bedarf weiter steigen wird belegen von der Stadt erhobene Prognosen. Das Problem sei erkannt, betont Christian Frieling für die Verwaltung.

Alter Hausbestand als Hauptproblem

Die Stadt aber könne jenseits von Neubauplanungen nur anstoßen und moderieren und sei dazu im Kontakt mit den Wohnungsgesellschaften. Die engagieren sich zum Teil. Das Problem: Der alte Kamener Wohnungsbestand sei nicht oder nur mit hohem Aufwand barrierefrei zu gestalten.

Die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft UKBS bietet älteren Mietern sogar Zuschüsse an zu Haushaltsdienstleistungen. Von 359 Wohnungen in Kamen aber sind nur 41 wirklich barrierefrei, weitere 14 seniorengerecht, aber nicht ohne Stufen erreichbar. Das Unternehmen versuche, Mieter mit entsprechenden Problemen zu unterstützen, so Geschäftsführer Matthias Fischer. Dabei lege man Kosten nicht voll auf Mieten um. In alten Gebäuden aber schaffe selbst ein Aufzugeinbau oft nicht alle Barrieren ab, weil Zwischenstockwerke bleiben. Nur 30 von über 3000 Wohnungen sind im Bestand von ehemals THS und Evonik, jetzt Vivawest, in Kamen seniorengerecht, aber nicht barrierefrei. Dass sei weit unter Bedarf, bestätigt das Unternehmen. Umbauten im Bestand aber seien oft nicht wirtschaftlich darzustellen.

Die Lüner WBG hat auch dank neuer Bauprojekte am Schwesterngang oder im Pastoratsfeld eine bessere Quote. 150 von 1200 Wohnungen sind seniorengerecht. Zudem gibt es eine eigene Sozialarbeiterin. Mieter mit Alterseinschränkungen versuche man in geeignete Wohnungen umzusetzen, so Vorstandsmitglied Rainer Heubrock.

192 Wohnungen verwaltet die Grundstücksgesellschaft Julius Ewald Schmitt in Kamen. Nur wenige sind wirklich barrierefrei, es gibt aber Kooperationen mit einem Pflegedienst und an der Karl-Arnold-Straße wurde ein siebenstöckiges Gebäude mit Rampe und Aufzug versehen. Womöglich sei es auch falsch, so warnt Geschäftsführer Christian Schmitt, nun für sämtliche Wohnungen Aufzüge und Barrierefreiheit zu fordern. Das leiste Bewegungsarmut Vorschub und verschlimmere Altersprobleme noch.