Straßennamen

Kamen. „Uns und anderen Dingen Namen zu geben, ist so selbstverständlich geworden, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken“, sagt Gästeführer Klaus Holzer zu Beginn seiner Stadtführung am Sonntag auf den Spuren von Kamens Straßennamen.

Bis ins Mittelalter habe man nur Vornamen gehabt, dann kamen überhaupt erst Familiennamen hinzu. „Die Namensgebung wurde immer wichtiger, als im 19. Jahrhundert die Post stark ausgebaut wurde“, erklärt der Gästeführer der Stadtführergilde. Pflichtgemäß eingeführt wurden Straßennamen und Hausnummern aber erst durch die Deutsche Reichspost im 20. Jahrhundert. Am Wochenende ging Klaus Holzer diesen Namen mit einer Gruppe neugieriger Bürger auf den Grund.

Den Anfang machten sie in der Kirchstraße. „Das hier war damals der Kern der Stadt“, erzählt Holzer. Denn die ehemalige Severinskirche, heute Pauluskirche, war lange vor dem Rathaus da. „Der Kirchturm stand schon im Jahr 1150 und ist somit das älteste Steingebäude der Stadt“, so der Gästeführer.

Auch der Name Klosterstraße warf zunächst Fragen auf. Gab es tatsächlich einmal ein Kloster in Kamen? „Ja“, antwortet Klaus Holzer, „genauer gesagt gab es ein Beginenhaus.“ Bürgerliche Frauen gingen dort einer Vielzahl von handwerklichen Tätigkeiten nach. Im Gegensatz zum richtigen Kloster hatte man dort allerdings die Möglichkeit, auch wieder auszutreten. Damit erklärbar ist daher auch der Straßenname Schwesterngang.

Viele andere Straßen unserer Stadt sind übrigens nach großen Kamener Persönlichkeiten oder Familien benannt. Ein Beispiel unter vielen ist die Buxtorfstraße.

„Die Buxtorffamilie stellte in fünf Generationen Bürgermeister“, erzählt der Gästeführer. Auch über die Stadtgrenzen hinaus erntete der Name Buxtorf Ruhm. Johannes Buxtorf, der Universitätsprofessor in Basel war, schrieb eines der wohl bedeutendsten Lexika seiner Zeit.

Was viele auch nicht wussten: Kamen besaß einst zehn Burgmannshöfe. Der letzte von ihnen noch erhaltene ist die heutige Musikschule am Galenhof. „Bei diesem Fachwerkhaus handelt es sich allerdings zu fast einhundert Prozent um eine Rekonstruktion“, erklärt Klaus Holzer. Am heutigen Reckhof stand noch ein Burgmannshof.

„Außerdem zwei weitere zwischen den beiden großen Kirchen und neben dem katholischen Pfarrhaus“, so der Experte. Dabei konnte sich der Gästeführer einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Früher hatten wir so viele Burgmannshöfe, heute können wir kostenlos parken“.

Bei seiner sonntägigen Führung gab Klaus Holzer aber auch zu, nicht jeden Straßennamen eindeutig klären zu können. Oftmals gäbe es mehrere Deutungsmöglichkeiten. Beispielhaft dafür stehen die Weiße und die Dunkle Straße. Einige Stadtführer sagen, dass in der Dunklen Straße früher die Familie Düngelen gewohnt haben soll.
Eine andere Erklärung aber sei, dass die Weiße Straße mit ihrer Richtung direkt auf die Kirche zuführt, während die Dunkle Straße nur an der Kirche vorbeiführt. Symbolisch kann das Dunkel also auch für Sünde oder Teufel stehen.

„Es ist sehr spannend, mehr über die Geschichte dieser Stadt zu erfahren“, sagt eine zugezogene Kamenerin. Und sie war nicht die Einzige, die neugierig den Worten des Gästeführers lauschte.