Ein 6 Millionen teurer „Regenschirm“

Kamen. Dass Anwohner am Derner Bach bei Starkniederschlägen nicht nicht „absaufen“, haben sie auch dem Kamener Kreuz zu verdanken. Denn weil es diesen Verkehrsknotenpunkt gibt, gibt es dort auch seit drei Jahren eine riesige „Regenwasserbehandlungsanlage“. Drei mit-
einander verbundene Becken mit einer Gesamtkapazität von 17 000 Kubikmetern (das sind 17 Millionen Liter!) fangen hier das von der Autobahn kommende Regenwasser auf, halten es kontrolliert zurück, um dann exakt maximal 50 Liter pro Sekunde an den Derner Bach abzugeben. Die Anlage in Kamen ist die drittgrößte in Westfalen.

Knapp sechs Millionen Euro hat das Bauwerk gekostet, das zwischen 2007 und 2009 errichtet wurde und nun seit drei Jahren in Betrieb ist – und das, von einer Ausnahme abgesehen, vollkommen störungsfrei.

Im Frühjahr 2011 fielen Pumpen aus

Damals an einem Frühlingstag im Jahr 2011 fiel die Pumpenanlage im „Becken 8“ am Tiefstpunkt der Anlage aus. Das Becken (5450 Kubikmeter Fassungsvermögen) lief voll, weil nun kein Wasser mehr über die ein Kilometer lange Druckleitung zum großen Regenrückhaltebecken (Fassungsvermögen 11 000 Kubikmeter) an der Dernerstraße befördert wurde. Nach vier Stunden konnten Techniker die Pumpen wieder starten, ohne dass es zu Überschwemmungen kam.

„Gott sei Dank ist seitdem nichts mehr passiert“, freut sich Martin Obertrifter, zuständiger Wasserbau-Ingenieur der Autobahnniederlassung Hamm, die die Anlage betreibt. „Uns so sollte es bei einem Regenrückhaltebecken normalerweise ja auch sein!“

Gäbe es theoretisch hier an dieser Stelle kein Rückhaltebecken, dann würden Anwohner am Derner Bach in Kamen bei Starkniederschlägen spürbar mit Hochwasserlagen zu kämpfen haben. „Hinzu käme die unkontrollierte Verschmutzung des Derner Bachs und in dessen Folge auch der Seseke“, erklärt Obertrifter. Den die Regenwasserbehandlungsanlage ist auch ein riesiger Filter, der verhindern soll, dass grobe Verunreinigungen in die Gewässer gelangen. „Denn bei jedem Regen werden vor allem auch Gummireste vom Reifenabrieb, Treibstoff- und Transportreste, wie zum Beispiel Sand von der Fahrbahn in unsere Anlage gespült.“ Schwere Teile setzen sich dabei am Bode als Schlamm ab, der später entsorgt werden kann. Treibstoffreste und Ölfilme werden regelmäßig von Spezialfirmen von der Wasseroberfläche abgezogen.

Kernstück der Anlage ist das Pumpenhaus. Insgesamt sechs Pumpen sorgen dafür, dass das gesammelte Wasser vom tiefsten Punkt der Anlage zum RRB an der Dernerstraße befördert wird. All das geschieht vollautomatisch.

Apropos tiefster Punkt: weil das Becken hier unter dem Grundwasserspiegel liegt, besteht der Boden hier aus vier Meter dickem Beton.