Torweg erinnert an die Familie Hane

Kamen. Der Hanenpatt ist eine Torstraße, auch wenn es heute gar nicht mehr danach aussieht. Auf der linken Seite, von der Bahnhofstraße aus gesehen hinter dem kleinen Fachwerkhaus, stand bis etwa 1849 der Burgmannshof der Familie von Hane. Er hieß nach mündlicher Überlieferung auch Elysenhof und beschützte das „Rennentor“ (Mühlentor). Daher kommt der jetzige Name.

Die Familie von Hane ist noch heute präsent auf Haus Opherdicke. Johann Diederich Hane kaufte das Haus Opherdicke von der Familie von Freisendorff. Er starb im Jahr 1729. Bereits 1721 war Johann Florenz Hane mit drei Schwestern ertrunken.

1849 erwarb der Schuster und spätere Kohlenhändler Mertin den Burghof, ließ ihn abreißen und an gleicher Stelle ein neues, modernes Haus errichten. Das vermachte er sechs Jahre später seinem Schwiegersohn, dem Schuster Friedrich Hellmig. Seine Witwe Wilhelmine spendete 1882 15000 Reichsmark für die Errichtung des evangelischen Hellmig-Krankenhauses.

Im Jahr 1920 gelangte schließlich die Stadt Kamen in den Besitz des Hauses der Hellmigs und richtete hier das erste Altenheim ein.

Es gab vorher schon andere Bezeichnungen für den Weg vom Hanenhof zum „Wünnentor“ an der langen Brücke, z.B. Langebrüggen-Patt, oder Glampatt, Glam kommt von Klamm, das sind tiefe Geländeeinschnitte. Hier war es ein schmaler sehr tiefer Graben, der das von der Seseke drückende Grundwasser abfing und gleichzeitig ein Teil des Wassergrabens war, der den Grafenhof und die Severinskirche (Pauluskirche) mit ihrem Kirchhof schützte.

IUmbenennung in der Kaiserzeit

Der Weg gehörte bis zur Schließung des Tores zur Langebrüggen-Schicht, später zur Mühlenschicht. In der Kaiserzeit wurde sie ganz offiziell zur Wilhelmstraße. Seit der Kommunalreform von 1968 gehört eine Heerener Siedlung mit männlichen Vornamen zu Kamen, sie hat auch eine Wilhelmstraße. Um Verwechslungen zu vermeiden, hat man sich daher in Kamen auf den historischen Namen „Hanenpatt“ besonnen .

Eine Rarität im Hanenpatt stellt ein beschauliches Fachwerkhaus dar. Es hat mittlerweile den Denkmal- Status, denn es wurde 1816 errichtet und beinhaltete eine sogenannte „Hauderei“, die 1880 von dem Fuhrmann Dietrich Diening gegründet und geführt wurde. Das war eine Art Transportunternehmen. Güter aller Art, aber auch Privatpersonen zählten hier zur Fracht. Später stand in diesem Fachwerkhaus sogar eines der ersten Telefone. Anneliese und Helmut Korte wohnen heute noch in dem Haus. Dietrich Diening ist dabei der Großvater von Anneliese Korte gewesen. Somit ist das Haus seit bald zwei Jahrhunderten in der Hand von einer Familie.