Johannes Buxtorf, ein Kenner der hebräischen Sprache

Kamen. In Kamen ist ein unscheinbares Sträßchen nach ihm benannt, in Südkamen das Buxtorfhaus, hier gehört immerhin der Vorname Johannes zum Namen.

Aber wo in unserer Stadt gibt es einen Hinweis darauf, dass es sich bei diesem Mann um den Kamener handelt, der die tiefsten und längsten Spuren in der Geistesgeschichte Europas, ja der Welt, hinterlassen hat?

Wer ist der Namensgeber? Er entstammt einer Kamener Familie, die seit 1453 in fünf Generationen als Pfarrer, Bürgermeister und Ratsmitglieder nachweisbar sind.

Pfarrer und Bürgermeister

Der Name schrieb sich auch Bockstorp oder Boxtrop, ein springender Ziegenbock zierte das Familienwappen. Sein Vater war Kamener Oberpfarrer, der (zusammen mit Hermann Hamelmann, Johannes Schomberg und Gerdt Oemecken) die Reformation nach Kamen brachte.

Am ersten Weihnachtstag 1564 erblickte sein Sohn Johannes das Licht der Welt. Ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater, der ihn aber bald auf das reformierte Gymnasium nach Hamm schickte, wo Johannes die erste Einführung ins Hebräische bekam, einem wichtigen Impuls für sein weiteres Leben.

1584 fand Buxtorf in Herborn im Hessischen an der Nassauischen Hohen Schule in dem berühmten Gelehrten Piscator den damals besten Kenner und Gelehrten des Hebräischen. Doch schon bald gab der Lehrer zu, dass sein Schüler diese Sprache besser beherrschte als er selber. 1588 kam Buxtorf nach Basel, wo er, obgleich noch ohne Magistergrad, vertretungsweise eine Professur der hebräischen Sprache erhielt. 1590, nach seiner Promotion, wurde er im Alter von 26 Jahren ordentlicher Professor. Nach seiner Heirat am 18. Februar 1593 begann Buxtorfs einzigartige wissenschaftliche Tätigkeit. So groß war bald sein Ruf, dass er mit allen Größen seiner Zeit korrespondierte, Rufe an die bekanntesten Universitäten Europas erhielt (die er allesamt ablehnte), ja, sogar von jüdischen Gelehrten in allen Fragen zum Hebräischen wie auch zum jüdischen Glauben um Rat gefragt wurde. Johannes Buxtorf aus Kamen in Westfalen war die oberste Autorität auf diesen Gebieten.

Verfasser von Standardwerken

Das jedoch hätte kaum ausgereicht, 400 Jahre später in Kamen eine Straße nach ihm zu benennen. Was ihn so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass er für das Hebräische Grammatiken und Wörterbücher geschrieben hat, die jahrhundertelang als Standardwerke galten. Hier sind, neben vielen kleineren Schriften, vor allem zu nennen: Die Praeceptiones Grammaticae de Lingua Hebraica von 1605 (Grammatische Unterweisungen in der hebräischen Sprache), der Thesaurus Grammaticus Linguae Sanctae Hebraicae von 1609 (Umfassende Grammatik der heiligen hebräischen Sprache), eine chaldäisch-syrische Grammatik von 1615, und besonders das Lexicon Chaldaicum, Talmudicum et Rabbinicum, das er 1609 begann, das von seinem Sohn fortgeführt, posthum herausgegeben wurde und seit dem Jahr 2007 im Kamener Stadtarchiv einen Platz hat.