Henri David begründete Städteliebe

Kamen. Es gebe vielleicht bundesweit keine internationale Städtefreundschaft, die so gelebt wird wie die Partnerschaft zwischen Kamen und Montreuil-Juigne, glaubt der Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses des Rates, Reinhard Hasler.

An den Vater dieser ungewöhnlichen Beziehung, Henri David, erinnern ein Gedenkstein, ein Kindergarten und eine Straße.

Deutsch-französische Aussöhnung

Henri David, der Bürgermeister der kleinen französischen Partnergemeinde Montreuil-Belfroy knüpfte schon 1965 die ersten Kontakte zur späteren Partnerstadt Kamen und sah schon damals eine Basis für eine intensive Beziehung zwischen beiden Städten gesehen haben – weil es gleiche Ansichten und Blickwinkel gegeben habe. Zugleich brachte er damit ein Stück deutsch-französischer Aussöhnung nach dem zweiten Weltkrieg auf den Weg.

Es dauerte drei Jahre, bis die Partnerschaft zwischen zunächst Montreuil-Belfroy, später Montreuil-Juigne, und Kamen offiziell mit einer Urkunde besiegelt wurde. Erste Verbindungen wurden auf einem der sogenannten Bittermark-Treffen geknüpft: Hier trafen sich in der Nähe von Dortmund seit 1954 die in- und ausländischen Verfolgten des NS-Regimes zu jährlichen Gedenkfeiern, die an die Gefangenenmassaker in den letzten Kriegstagen erinnern sollten. Auch Henri David war in Dortmund gefangen gewesen und nahm an Gedenkfeiern teil. Und dabei knüpfte er Kontakt zu Kamener Stadtvertretern.

Ob aber tatsächlich schließlich ein Übersetzungsfehler ausschlaggebend war, dass die beiden Städte inzwischen eine fast 45-jährige Freundschaft verbindet, ist nicht mit Sicherheit nachzuweisen: Fälschlicherweise wurde damals Kamens Einwohnerzahl mit 2000 und nicht mit 20000 übersetzt – damit entsprach Kamen wohl eher einem Pendant zur rund 1500 Einwohner zählenden Gemeinde Montreuil-Belfroy. Doch als der Fehler auffiel, war es schon zu spät.

„Es war so etwas wie eine Städteliebe auf den ersten Blick“, erzählt Reinhard Hasler. Er hat Henri David nicht mehr selbst getroffen. Doch Robert Roland, über viele Jahre Motor der Partnerschaft auf französischer Seite, kannte deren Vater. Der hatte mit seinen Eltern zunächst in Afrika gelebt, bevor die sich in dem kleinen französischen Örtchen ein Hotel mit Restaurant und Café in der Ortsmitte kauften. David sei ein sehr offener und geselliger Mensch gewesen, übermittelte auf Anfrage Roland über Reinhard Hasler. Fußball und Karten seien seine Hobbys gewesen. Vor allem aber war er immer offen für andere Menschen. Und die Partnerschaft zu Kamen lebte er offenbar auch in der Familie. Sein Sohn engagiert sich heute für dieses Vermächtnis

Zum Start der Partnerschaft – am 19. Dezember 1968 war es offiziell so weit – musste David auch ein paar Skeptiker überzeugen. Zweifel hatte er offenbar nicht: schon im November bestellte er Informationstafeln, die bald am Ortseingang von Montreuil-Belfroy auf die neue Städtepartnerschaft hinweisen sollten.

Das besondere an der Partnerstadt nach 45 Jahren sei, dass es nie einen Einbruch, nie ein Nachlassen geben habe, so Hasler. Beim alljährlichen Kamener Tag in der Partnerstadt habe er die Freude am Miteinander gerade erst wieder erlebt. Und er ist überzeugt, das werde auch in weiteren Jahrzehnten so bleiben.