Neuer Nordring für 3 Millionen Euro

Kamen. Der Nordring ist nicht gerade eine Augenweide, die Straßenoberfläche zudem ein Flickenteppich und die Anwohner klagen über Lärm und Luftbelastung. Ein Teil dieser Klagen soll 2013 abgestellt werden. Stadt und Straßen.NRW wollen den Nordring sanieren und umgestalten.

Weniger Verkehr wird die Straße danach nicht aufnehmen. Den Unebenheiten geschuldeten zusätzliche Lärm aber soll es nicht mehr geben, zudem wird der Einsatz eines gegen Lärm optimierten Belages zumindest geprüft. Und auch mehr Grün und gut geschützte Bereiche für Fußgänger und Radfahrer sind geplant.

Land trägt Löwenanteil

Ausgelöst wurde all das von der Einsicht des Landesbetriebes Straßen.NRW, die Straßenoberfläche auf diesem Teilstück der Bundesstraße 61 erneuern zu müssen. Weil zudem auch der Kanal darunter erneuert werden muss, entwickelten Stadt und Land ein gemeinsames Projekt.

Das werde schon ein großes Bauprojekt werden, kündigte Planungschef Uwe Liedtke gestern vor dem Fachausschuss des Rates an. Der Kanal könne nur in offener Bauweise erneuert werden. Das bedeutet tiefe Löcher und erhebliche Verkehrseingriffe. Auf die Stadt kommt einiges an Kosten zu. Den Kanalbau schultert der Eigenbetrieb Stadtentwässerung, die Straßen- und Gehweggestaltung teilen sich Stadt und Land. Gut drei Millionen Euro wird das kosten, davon entfällt etwas mehr als eine Million Euro auf die Stadt. Dank Landesförderung werden daraus am Ende 440000 Euro.

Dass etwa 700 Meter Straße so viel Geld kosten, liegt an zusätzlichen Entsorgungskosten, so Jens Neunert für die Stadtverwaltung. Nicht nur der Asphalt selbst muss aufwändig entsorgt werden. Als Unterbau wurde hier wie unter vielen Straßen in der Stadt Hochofenschlacke in einer Dicke von rund einem halben Meter eingebaut. Die macht nicht nur viel Arbeit, sondern muss auch als belastetes Material speziell entsorgt werden.

Platz für echte neue Gestaltungen fanden die Planer am Ende nur im östlichen Teil der Straße (Grafik). Dort ist nicht nur Raum für Stellplätze sondern auch für zusätzliches Grün, weil der Straßenraum hier mehr als 20 Meter misst, im westlichen Abschnitt ab Bergkamener Straße nur 17,50 Meter. Die Bushaltestellen grenzen Planerspielräume weiter ein.

Geprüft wurde Platzgewinn durch Verzicht auf baulich abgetrennte Radwege, das aber habe man nach Prüfung verworfen. So gibt es klassische Geh- und Radwege auf beiden Seiten, zudem bleiben alle Querungsmöglichkeiten erhalten.

Östliche Kreuzung ausgespart

Ausgespart bleibt die Kreuzung Münsterstraße. Daher bleiben auch Kreiselforderungen hierfür auf der Wunschliste. Für die restlichen Kreuzungen des Nordrings reicht der Platz für entsprechende Lösungen nicht.

Dennoch hofft die Politik auf eine städtebauliche Aufwertung. Die sei dann auch 440000 Euro wert, ist für die SPD Ursula Müller überzeugt. Für die CDU begrüßt Ina Scharrenbach das Projekt als Sieg der Vernunft.

Der allerdings liegt nicht in kommunaler Verantwortung. Die Stadt habe keine Entscheidungshoheit über eine Bundesstraße, erinnert Beigeordneter Reiner Brüggemann: „Das ist das Handwerk fremder Leute.“ Die Stadt könne nur hinweisen auf Erneuerungswünsche und im Fall des Falles eigene Planungen einbringen, so wie das hier auch geschehe. Die Baumaßnahme aus Kanalbau und Straßenbau soll nun als eine Maßnahme ausgeschrieben und 2013 umgesetzt werden, mit dem Kanalbau als erstem Teilschritt.

Verkehrslasten wird die Sanierung nicht nehmen. Allerdings hält die Stadt an der Planung fest, auch mit Blick auf den Nordring in Eigenregie Schadstoffmessungen zu organisieren. Damit wolle man so zeitig beginnen, dass der kommende Winter einbezogen werde. Wie berichtet hat das Land Messungen abgelehnt, die Stadt will nun 15000 Euro dafür aufbringen.