In zwei Metern Tiefe drohen nasse Füße

Kamen. Etwa zwei Meter tief kann man an den meisten Stellen im Stadtgebiet graben, bevor es nasse Füße gibt. Stadt und Land haben die Grundwasserströme in der Stadt inzwischen unter permanenter Kontrolle. Ein Ergebnis: Der Grundwasserverlust in Wasserkurl nach dem Erdfall ist inzwischen wieder komplett ausgeglichen.

Verlust in Wasserkurl ausgeglichen

Die Bohrung dort mit mehr als 250 Metern Tiefe bleibt für Josef Jungmann vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung etwas Besonderes. Sie führt durch mehrere Grundwasserstockwerte und wird inzwischen vom Land weiter beobachtet. Die Geschehnisse dort hätten den Erfahrungsrahmen gesprengt, obwohl Grundwasser für Jungmann Alltagsthema ist. „Wir sind Wasserbauer“, sagt er.

Grundwasser aber ist auch für Häuslebauer und Besitzer von Altimmobilien ein Sorgenpunkt. Auch für sie gibt es künftig mehr Klarheit. Schon immer habe man Kanalbauprojekte mit Grundwasserbeobachtung begleitet, so Jungmann, die Pegel aber nach Bauende wieder beseitigt. Jetzt baut der Eigenbetrieb ein festes Netz von dauerhaft betriebenen Grundwasserbeobachtungsstationen auf. Er folgt damit auch einem Antrag der CDU., ohnehin aber versuche man heute, die Messpegel im Rahmen von Kanalbauprojekten auch nach Bauende zu erhalten und zu beobachten. Vor der geplanten Erneuerung der Derner Straße wurden dort allein fünf Pegel gesetzt. Irgendwann sollen die Ergebnisse auch permanent auf einer Internetseite zu verfolgen sein. Auch jetzt schon erteilt der Eigenbetrieb Auskünfte auf Anfrage.

Ganz wichtig sind diese Daten für Häuslebauer. Neue Gebäude dauerhaft mit einer Drainage zur Abführung von Grundwasser zu versehen, ist verboten, so Jungmann. Steht der Keller gelegentlich im Grundwasser, dann muss er wasserfest gebaut sein.

Höhere Lagen schützen nicht automatisch. Wichtiger als das Oberflächenprofil sind die Bodenschichten. Auf der Lüner Höhe wohne man daher nicht automatisch trockener als in tieferen Lagen.

Gemessen wird an den Pegelbohrlöchern mit einem speziellen Lot und Zentimetermaß. Allerdings meldet das Lot per Pfeifton, wann Wasser erreicht wurde oder überträgt die Messdaten gleich digital nach oben. Am Rückhaltebecken am Schattweg lag der Wasserstand gestern sogar nur 1,30 Meter unter der Oberfläche. Dort allerdings gelten besondere Verhältnisse. Das wassergefüllte Betonbecken schwimmt quasi im Grundwasser. Der Pegel hier sagt den Experten auch, wann die ihr Becken leeren können. Das geht nur bei niedrigem Grundwasserstand, sonst würde das geleerte und damit leichtere Becken vom Grundwasser angehoben werden.

Ansonsten ist der Grundwasserspiegel derzeit eher niedrig, so Jungmann, weil es in diesem Jahr vergleichsweise wenig geregnet hat. Die Pegeldaten ändern sich auch im Jahresverlauf. 800 mm Niederschlag lassen den Grundwasserspiegel um etwa 200 mm ansteigen.