Die Winterwelt ist abgetaut

Kamen. Jeden Tag stand der ältere Herr mit seinen Schlittschuhen parat. Seit dem 23. November ohne Unterbrechung. Vor allem aber die Jugend hat die knapp sieben Zentimeter dicke Eisschicht auf 400 Quadratmetern für sich entdeckt. Viele junge Menschen zwischen fünf und 13 Jahren konnten den Schulschluss kaum erwarten, um täglich eine schnelle Runde allein oder mit Freunden zu drehen. Auch die zweite Kamener Winterwelt war unter dem Strich ein voller Erfolg.

Zur Abtauparty am Samstag kam fast ein wenig Wehmut auf. Viele machten noch einmal spontan an der Eisfläche auf dem Alten Markt Halt. Um einfach nur dem bunten Treiben zur wummernden Musik zuzuschauen – direkt an der Bande oder in sicherer Entfernung zum Glaspavillon mit einem Drink in der Hand. Andere nahmen doch noch allen Mut zusammen und versuchten es wenigstens einmal auf den Kufen. Der seit Wochen zuverlässige Dauernieselregen tat der Freude keinen Abbruch – ebenso wenig einer rundum positiven Gesamtbilanz.

„Letztes Jahr hatten wir viel Schnee und viele Leute gingen Rodeln. Diesmal war es zu warm und zu regnerisch“, resümiert Tim Nover vom Eisflächenbetreiber. „Trotzdem sind wir sehr zufrieden“, meint er – auch wenn seit Wochen die Kühlung kaum gegen den Dauerregen und den dünnen Wasserfilm auf dem Eis ankommt.

Wochenenden durchweg ausgebucht

Marion Hosni vom Hotel Stadt Kamen ist regelrecht euphorisch: „Es war super in diesem Jahr, richtig klasse – im Gegensatz zum Vorjahr war es eine echte Rakete!“ In dem deutlich von 200 auf 72 m² geschrumpften Gastronomiezelt fühlten sich die Gäste diesmal am anderen Ende des Marktes wohler. Die Wochenenden waren durchweg schon im Vorfeld ausgebucht. Der neue Glaspavillon mit Glühwein und Bar erwies sich als echter Magnet. „Hier sieht man Bekannte, kommt spontan hinein, schaut den Eisläufern zu – hier war immer was los!“ Das Hotel Stadt Kamen ist im nächsten Jahr „gern wieder dabei“. Auch wenn es manchmal ganz schön stressig war.

„Hervorragend,“ bewertet auch Ronald Sostmann für das Stadtmarketing die Neuauflage mit verändertem Anordnungskonzept. „Egal wann man hier vorbeischaute – es waren immer viele Menschen zu finden“, bilanziert er. „Auch wenn es uns wettermäßig 14 Tage lang schwer getroffen hat und einige Dinge ausfallen mussten.“ Das Programm zog trotzdem Zuschauer an. Alle Kooperationspartner sind zufrieden. „Diese Aufstellung mit dem neuen Pavillon hat sich bewährt“, meint Sostmann.

Durchprobiert hat die Stadt in 15 Jahren vieles. Sicher ist: Der klassische Weihnachtsmarkt hat gegen die harte Konkurrenz der Nachbarstädte keine Chance. „Wichtig für das Gelingen sind vor allem gute Partner wie das Hotel Stadt Kamen – ohne das geht es nicht.“

Die Frau am Crêpestand hat sich bereits für das kommende Jahr angemeldet. „Diese Konstellation gefällt mir am besten“, meint sie, die seit 1999 dabei ist und mit ihrem Umsatz zufrieden ist. Auch die Imbiss-Bude von Heitmann ist nächstes Jahr wieder mit von der Partie. Ebenso wie Manuel Sperlich mit seinen gebrannten Mandeln. Er ist seit 30 Jahren eine feste Bank in der Weihnachtszeit. Auch er hat gemerkt, dass diese Winterwelt die Leute anzieht – „auch abends noch länger als früher zwischen den Marktbuden“.

Eislaufen bis zum letzten Moment

Eislaufen konnten die Kamener auch noch am Sonntag. Erst am Nachmittag wurde die Heizung angestellt: Glycol strömte durch die Schläuche unter der Eisfläche und schmolz das Eis bis zum Montag dahin. Ohne Heizung würde das Abtauen immerhin vier Tage dauern.