Wichtiger Weg für alle Bürger

Lebhafte Debatten mit Friedhelm Lipinski (SPD, r.) und Ortsvorsteherin Ursula Lungenhausen (SPD, 2.v .r.)

Heeren-Werve. Der Ortsteil soll schöner werden. Das ist das Ziel eines „Masterplans“, über den Fördergelder beim Land NRW beantragt worden sind. Die Aufwertung der Mühlbachbrücke ist ein Bestandteil des vielschichtigen Planwerks.

Mit dem sogenannten „Integrierten Handlungskonzept“, wie der sperrige Begriff im Bürokratendeutsch heißt, sollen mehrere Problemzonen in Heeren-Werve angegangen werden – wie die verwaiste Freibadfläche, das Nebenzentrum oder der Luisenpark. Zu den umstrittenen Plänen zählt die Aufweitung der Mühlbachbrücke, um als Stadtteilklammer die Achse zwischen Heeren und Werve zu stärken. Der Mühlbach bildet die natürliche Grenze zwischen den „Ortsteilen im Ortsteil“.

Am Samstag nutzte der örtliche SPD-Ortverein die Brücke als Treffpunkt, um über die Sanierungspläne zu informieren. „Der jetzige Stand der Dinge ist folgender: Wir haben in Düsseldorf Fördergelder beantragt, um die Maßnahmen aus dem Handlungskonzept zu finanzieren. Dabei muss der Blick auf ausgewählte Projekte gerichtet werden, schließlich kann man nicht jedes Schlagloch thematisieren“, sagte Ortsvereins-Vorsitzender Klaus Kasperidus, der auch Mitglied im Stadtrat ist. Entgegen der Annahme vieler Bürger, die Stadt habe bereits eine Verbreiterung der Brücke und zusätzliche Beleuchtungen geplant, ist das Gegenteil der Fall. „Es steht definitiv noch nicht fest, in welcher Form renoviert oder saniert wird, es gibt auch noch keine konkrete Ausarbeitung“, sagte Kasperidus.

Bürger: Die Brücke darf nicht geschlossen werden

In einem sind sich die Bürger, die vor Ort lebhaft diskutierten, allerdings einig: Die Brücke darf nicht zugemacht werden, auch nicht während einer möglichen Sanierung, da sie einen wichtigen Verbindungsweg darstellt – und das für Menschen aller Altersgruppen. Wer eine Zeit lang auf der Brücke verweilt, dem wird in der Tat bewusst, wie lebhaft die Brücke genutzt wird. Fahrradfahrer, Familien mit Kinderwagen und Passanten, immer wieder ist jemand auf dem Patt unterwegs, um schnell von A nach B zu kommen. „Man muss sich vor Augen führen, wie viele Wohneinheiten es zu beiden Seiten der Brücke gibt. Aufgrund der natürlichen Fluktuation ziehen immer mehr junge Familien mit Kinder hierher, die Brücke wird dann zum Schulweg. Ohne diese Brücke wäre der Weg erheblich länger, da die Kinder einmal das gesamte Gebiet umlaufen müssten“, sagte Carsten Diete, stellvertretender Vorsitzender des Heeren-Werver Ortsvereins.

Für einige Leute hat die Brücke neben dem Zeitfaktor auch einen ästhetischen Wert. „Das die Brücke renoviert werden muss, daran besteht kein Zweifel. Auch ein bisschen mehr Beleuchtung für die Wintermonate wäre wünschenswert, aber die Brücke zu schließen, das ist für mich keine Option. Ich bin auch gegen eine Verbreiterung, weil das kleine Pättchen einfach schön ist und den Blick für die Natur und den Mühlbach schärft“, sagte eine Bürgerin, die ihren Namen nicht nennen wollte.

Die mangelnde Beleuchtung ist für viele ein Kritikpunkt. „Ab vier Uhr nachmittags ist es im Winter stockdunkel, dann wird der Patt zum Angstweg. Gerade Kinder oder ältere Bürger werden auf diese Weise abgeschreckt“, sagte Jutta Maeder vom SPD-Ortsverein. Neben dem Wunsch, Licht ins Dunkel der Wintermonate und Abendstunden zu bringen, traten einige Bürger mit einem weiteren Anliegen an die Vertreter des Ortsvereines heran. „Es gab bis vor einiger Zeit eine Sperre vor der Brücke, sodass motorisierte Fahrzeuge die Brücke gar nicht nutzen konnten. Mittlerweile gibt es die Sperre aber nicht mehr, weshalb sich einige Anwohner über den durch die Motoren verursachten Lärm beschwert haben“, erzählte Kasperidus.

Sanierungsbedarf mit Blick auf die Zukunft

Wichtig ist den Vertretern des SPD-Ortsvereines vor allem, den Blick für die Zukunft zu schärfen. „Die Politik agiert mit Blick für die Zukunft. Man plant mit einer Orientierung für die nächsten dreißig Jahre und selbst wenn die Brücke jetzt nicht saniert wird, dann muss es in fünf oder zehn Jahren gemacht werden. Dann kann die Stadt nicht unbedingt auf Fördergelder hoffen, sondern muss alles selbst finanzieren“, sagte Maeder.

Viele der Anwohner, die das Gespräch mit den SPD-Vertretern suchten, machten auch verstärkt ihren Unmut deutlich über die hohe Summe, etwa 250000 Euro, die für die Stadtteilklammer aufgewendet werden soll. „Viele lassen dabei aber außer Acht, dass nicht nur die Brücke, sondern auch der Weg hoch zur Straße auf beiden Seiten saniert werden muss. Für die meisten klingt die Summe astronomisch, aber bei so viel Fläche und dem Aufwand ist es logisch, dass der Preis dementsprechend hoch ist“, sagte Diete.

Ideenkarte und Workshops

Das Integrierte Handlungskonzept ist das Ergebnis mehrerer Ortsbegehungen und Diskussionen in diversen Ausschüssen, an denen sowohl Bürger als auch Politiker beteiligt waren. Dabei gab es Fahrten nach Lünen-Gahmen, eine Ideenkarte im Internet und Workshops, bei denen Anregungen geäußert werden durften.

Die Sanierung der Mühlbachbrücke ist nur eines von zahlreichen im Planwerk genannten Projekten. Während der Diskussion auf der Mühlbachbrücke am Samstag äußerten auch einige Bürger die Meinung, dass das Geld an anderen Stellen besser angelegt sei. „Der Weg zwischen der Bergstraße und der Heerener Straße ist dringend renovierungsbedürftig. Der Asphalt weist gravierende Höhenunterschiede auf und ist im Winter durch Schnee und im Herbst durch starken Laubfall fast kaum begehbar. Man wird regelmäßig Zeuge davon, wie gerade ältere Menschen sich auf dem Weg abmühen“, sagte SPD-Mitglied Beate Siebert. Auch im Stadtkern sehen viele Sanierungsbedarf. Die Gehwege seien an vielen Stellen nicht behindertengerecht oder stark abgenutzt.