Jugend hat entschieden

Elke Kappen, 1. Beigeordnete, beantwortet Fragen der Jugendlichen

Kamen. Beim Finale des Planspiels Kommunalpolitik simulieren 50 Jugendliche eine Ratssitzung und beschließen Anträge. Der echte Bürgermeister Hermann Hupe leitet die Jugendratsitzung in der Stadthalle..

50 gut vorbereitete Jugendliche stellen der Kamener Verwaltungsspitze Fragen und wollen beispielsweise wissen, wann etwas dagegen getan werde, dass einem im Gymnasium „die Fenster entgegenkommen“. Bürgermeister Hermann Hupe, die Beigeordneten Elke Kappen, Ingelore Peppmeier, Uwe Liedtke und Kämmerer Ralf Tost nehmen sich in der Fragerunde dieser außergewöhnlichen Jugendratssitzung Zeit für Antworten und erklären ausführlich.

Als die jugendliche „CDU-Fraktion“ anfragt, ob die Aufenthaltsqualität im Stadtpark irgendwann verbessert werde, antwortet Liedtke, „die Situation ist richtig gut so, wie sie ist“ und erläutert den Fraktionen, dass dort 132 Bäume auf einem Hektar stünden und der Park somit einen hohen ökologischen Wert habe. So etwas dürfe man nicht unterschätzen.

Die Toiletten-Situation

Während die Schüler mit dieser Frage nicht viel ins Rollen bringen konnten, tun sie das mit anderen Tagesordnungspunkten. Als die Vorsitzende der „FDP-Fraktion“ sich nach der Erneuerung der Toiletten in der Hauptschule erkundigt, bedankt Kappen sich. Aufgrund dieser Anfrage würde sich damit beschäftigt, denn dieses Problem sei aus dem Blick geraten.

Nach der Fragerunde werden die Jugendlichen aktiver, denn im vierten Tagesordnungspunkt geht es um die Anträge ihrer „eigenen“ Fraktionen. Des ersten Antrags auf finanzielle Unterstützung für Aufenthalte in Partnerstädten nimmt Hupe sich an. Er schlägt der „SPD-Fraktion“ eine Änderung des Antrages vor, da es in einem festgelegten Rahmen bereits finanzielle Unterstützung für Schüleraustausche gebe: „Aufenthalte in Partnerstädte sollen gefördert werden, wenn die Kosten den Erlassrahmen deutlich überschreiten. Einverstanden?“ Die SPD-Fraktion ist einverstanden und dem Antrag wird einstimmig zu gestimmt.

Auch alle anderen Anträge werden gut aufgenommen. Es geht wieder um die Sanierung der Schulen, für die es ein Sanierungskonzept geben soll (und schon gibt, wie Kappen erklärt), um die Erneuerung und Instandsetzung der Skateanlage im Postpark und um kostenfreies W-Lan in der Innenstadt. Nicht nur die jugendlichen Fraktionsmitglieder, sondern auch der Verwaltungsvorstand begrüßt die Anträge, über die abgestimmt wird. Nur der Prüfauftrag der Linken wird zurückgezogen. Die Fraktion möchte wissen, wann und mit welchem Aufwand die Straße Nordring instandgesetzt wird. Weil die Frage direkt beantwortet kann, ist der Auftrag hinfällig. Die Umsetzung der Maßnahmen sei in Planung, erfahren die Teilnehmer.

Für alle interessant

Die Sitzung des Jugendrats innerhalb des Planspiels Kommunalpolitik, das von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung angeboten wird, ist nicht nur für die Schüler, sondern auch die Verwaltung eine interessante Angelegenheit. „Es ist spannend, wie nah junge Menschen an den Themen sind, die auch uns beschäftigen“, so die Beigeordnete Ingelore Peppmeier nach der Jugendratssitzung. Es seien jedoch keine Themen und Anreize zur Sprache gekommen, die für die Verwaltung neu waren.

Nur wer Interesse hat, will sich einmischen

Um sich auf die Jugendratssitzung vorzubereiten, haben die beteiligten 50 Jugendlichen vor anderthalb Wochen die Sitzung des Kamener Stadtrats besucht. Durch den Besuch der Schüler im echten Kommunalparlament war die Sitzung am 9. November ungewöhnlich gut besucht. Die neugierigen Jugendlichen lauschten der Einwohnerfragestunde zu Beginn und der Diskussion über die Vergnügungssteuer. Am Ende zeigten sie sich beeindruckt und interessiert. Die Teilnahme an der Sitzung war Teil des Planspiels Kommunalpolitik, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung angeboten wird.

Der Spielablauf des Planspiels enthielt zwei Projekttage und zwei Nachmittagsveranstaltungen. Am ersten Projekttag standen Vorträge, Referate, Fragerunden und Gruppenarbeiten auf dem Plan. Der zweite Tag band dann die echten Politiker ein. Sie gaben den Schülern wertvolle Tipps für Argumentationen und erzählten aus ihrem Arbeitsalltag. Nach der ersten Nachmittagsveranstaltung, dem Besuch einer „echten“ Ratssitzung, bildete die Jugendratssitzung das Finale des Projekts.

Auf die Jugendratssitzung bereiteten sich die Schüler während der Projekttage vor. Sie teilten sich in Fraktionen auf, die es auch im richtigen Kamener Stadtrat gibt und wählten ihre Vorsitzenden. Jede Station des Planspiels wurde von zwei Spielleitern, das sind Jugendtrainer, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung für das Planspiel ausgebildet wurden, begleitet. Mit ihrer Unterstützung wurden Themen ausgewählt, die die Schüler in der eigenen Sitzung behandeln möchten; das können Fragen sein, aber auch das Ansprechen auf konkrete Probleme. Im öffentlichen Finale sollten die Jugendlichen dann ohne Eingreifen der Spielleiter Anfragen an den Bürgermeister und die Verwaltung stellen und auch nachhaken.

An solchen Planspielen können Jugendliche ab 14 Jahren teilnehmen – sei es mit ihrer Schulklasse, in einem Jugendklub oder als Jugendgruppe eines Vereins.
Das Planspiel Kommunalpolitik wurde 1998 vom Regionalbüro Dresden der Friedrich-Ebert-Stiftung ins Leben gerufen. Die Stiftung will mit dem Planspiel „in erster Linie Jugendliche für Politik interessieren“, „das 1 x 1 der Kommunalpolitik“ näherbringen und „die Fähigkeit konstruktiv zu argumentieren“ fördern. Es eröffne zudem den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen Jugendlichen und Kommunalpolitikern. Den Jugendlichen soll Mut zur Einmischung in die Politik gemacht werden, denn „ohne Jugend ist kein Staat zu machen“, so die Projektbeteiligten.

Quelle: Hellwegeranzeiger.de, Claudia Pott