Mühlbach-Öffnung: „Noch weit entfernt von einer Entscheidung“

Die Heerener sind gespalten, was die Öffnung der Mühlbachtrasse als Lückenschluss für den Radweg betrifft. Die einen wollen schnell und bequem nach Kamen, Bönen oder Unna radeln, die anderen fürchten um das Naturidyll vor ihrer Gartentür. Foto: Archiv

Kamen. Vor einem vollen Haus begann der Planungs- und Straßenverkehrsausschuss des Rates der Stadt Kamen am Donnerstag seine dritte Jahressitzung – kein Wunder, denn es ging einmal mehr um den umstrittenen Lückenschluss für den Mühlbach-Radweg zwischen Bergstraße im Norden und Westfälischer Straße im Süden.

Die CDU hatte sich im Oktober mit einer Bürgeranregung für die Öffnung des Radwegs stark gemacht. Dieser soll es Radfahrern ermöglichen, auf den Seseke-Radweg in Richtung Kamen oder Bönen zu gelangen und den Radweg nach Unna zu nutzen, ohne im Ortsteil Heeren auf die Straßen ausweichen zu müssen. Auch der ADFC schloss sich dieser Anregung an. Doch vielen Anwohnern ist das Vorhaben suspekt – weniger aus Furcht um die Privatsphäre im anliegenden Garten, als vielmehr um die Natur. Mehr als ein Dutzend Anwohner des Mühlbachs (und ein lautstarker Hund) kamen in den Ausschuss, um ihren Unmut über den Vorstoß der CDU zu äußern. Rund 80 Unterschriften hätten die Anregungsgegner mittlerweile im Stadtteil gesammelt, „und wir sprechen die Leute auch weiterhin an“, versichert Mühlbach-Anwohnerin Heike Prochnow. „Bitte machen Sie das, was sich die Natur in Heeren zurückerobert hat, durch einen Radweg nicht wieder kaputt“, beschwört Heerenerin Regina Zweihoff die Anwesenden im Ratssaal II geradezu. Sie befürchtet, dass Hundeführer, E-Bikefahrer und Fußgänger die Idylle, in die sich das Wegstück nach der Renaturierung verwandelt hat, mit den üblichen Effekten ruinieren würde – „und das aus reiner Bequemlichkeit seitens der Radfahrer“. Gerade in Zeiten, wo die Steingärten an allen Ecken „sprießten“, sei dies „ein wahrer Glücksfall für die Natur“, so Zweihoff. Die Stadt solle, so ihr Vorschlag, statt dessen die parallel verlaufende Straße Südfeld als Lückenschluss nutzen und sonst alles so lassen wie es ist – nicht nur weil es „praktisch kostenlos“ wäre, sondern auch, um ein Zeichen für den Umweltschutz setzen. Genau der ist aber auch das Argument der Befürworter der Lückenschließung: „Wir wollen die Leute doch, gerade mit Blick auf das Integrierte Handlungskonzept, schließlich auf’s Rad kriegen“, heißt es von Ulrich Lenz, der als sachverständiger Bürger stellvertretend für den Kamener ADFC eine Lanze für die Öffnung der Trasse brach. Auch Bündnis90/Grüne-Fraktionsvorsitzende Anke Dörlemann betonte, dass die Interessen der Radfahrer, gerade mit Blick auf die Klimaschutzziele, nicht außer Acht gelassen werden dürften. Außerdem sei sie, ähnlich wie Friedhelm Schaumann (Linke/GAL), skeptisch, was die Verkehrssicherheit im Südfeld angehe. Zu viele Pkw würden die Strecke beparken, die erstmal für Kinder, Familien und Senioren verkehrssicher umgestaltet werden müsste – was dann sicherlich nicht mehr kostenlos, sondern die teurere Alternative wäre, wie SPD-Ratsherr Klaus Kasperidus anmerkt. Eins ist klar: Die Debatte ist noch lange nicht am Ende. Kann sie auch schon aus planungsrechtlicher Unsicherheit gar nicht, wie Erster Beigeordneter Dr. Uwe Liedtke erklärt: Denn einerseits ist der Lippeverband Eigentümer des Weges, so dass die Stadt gar nicht alleine entscheiden könne, ob eine entsprechende Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird. Andererseits sei der Mühlbach als renaturierter Bereich planfestgestellt, weshalb auch zunächst ein Umwelt- und Artenschutzgutachten erstellt werden müsste – wobei wiederum der Kreis als weiterer Akteur ins Spiel kommt. Liedtke versprach, alle betroffenen Anlieger und die zuständigen Vertreter aus Rat, Verwaltung und Wasserwirtschaftsverband nach den Ferien zum gegenseitigen Austausch an einen Tisch zu holen. Dort geht die Debatte mit ungewissem Ausgang weiter. Gewiss ist derzeit nur eins, so Erster Beigeordneter Liedtke: „Von einer Entscheidung sind wir noch sehr weit entfernt“.

Quelle: kamenweb.de, Alex Grün