Planungsausschuss: Sachstandsbericht über Entwicklung von „Wohnen am Fluss“

Der - noch - gesperrte Weg zwischen der Pixelröhre und dem Westicker Feld wird bei der weiteren Planung des künftigen Wohngebiets an der Seseke voraussichtlich zur Spaltaxt zwischen Rad-Fanatikern auf der einen Seite und Schmetterlings-Liebhabern auf der anderen Seite werden. Foto: Archiv KamenWeb.de

Kamen. Die Verwaltung lieferte am Donnerstag im Planungs- und Straßenverkehrsausschuss einen umfänglichen Sachstandsbericht über die städtebauliche Entwicklung im westlichen Innenstadtbereich ab. Alles hört sich perfekt an, bis auf eine Kleinigkeit: Nur ein paar Meter Weg stehen sozusagen zwischen grünen und „schwarz-grünen“ Argumenten.

Neu aufgestellt werden muss der Bebauungsplan 79 Ka, betitelt unter dem Namen „Wohnen am Fluss“. Die Pläne für die Nachfolgenutzung der Flächen nördlich des östlichen Abschnitts der Wilhelm-Bläser-Straße hören sich insgesamt nahezu perfekt an: Auf 90 Grundstücken sollen über den ehemaligen Sportplätzen im Hemsack künftig 140 Wohneinheiten Platz finden. Aufgrund der integrierten Lage und der Nähe zur Innenstadt besitze das Plangebiet gute Voraussetzungen für die Entwicklung von verdichtetem Wohnungsbau und könne somit einen Beitrag zu einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung in Kamen leisten, so die Stadt. Alle Angebote des täglichen Bedarfs seien in fußläufiger Entfernung erreichbar – vom Freibad über den Bahnhof bis zur City. Das Plangebiet sei infrastrukturell sowohl per Rad und zu Fuß als auch mit dem ÖPNV sehr gut angebunden und auch der Bahnhof fußläufig erreichbar. Eine besondere Qualität besitze die Fläche aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum angrenzenden attraktiven Landschaftsraum der Seseke sowie zum Freiraum Westicker Feld als Naherholungsgebiet. Gebaut werden soll nicht über zwei Etagen „plus Dach“, in gleicher Höhe soll Baumbepflanzung platziert werden. Insgesamt sechs Gutachten hat die Stadt in Auftrag gegeben: Die bislang erstellten Gutachten gäben in klima-ökologischer, olfaktometrischer (was die Reithalle und das Klärwerk betrifft) und lärmtechnischer Hinsicht keinerlei Grund zur Beanstandung. Altlasten und Bodenstabilität seien mit positivem Befund geprüft worden. Und auch artenschutztechnischer Art sei kein Mangel erkennbar, so die entsprechende Expertise – und genau das stößt Sachverständigem Klaus-Bernhardt Kühnapfel etwas bitter auf: Die geplante Öffnung des gesperrten Wirtschaftswegs zwischen Pixelröhre im Osten und Westicker Feld im Westen passt ihm gar nicht. Der Lippeverband, so die Verwaltung, habe als Eigentümer für die Änderung den Bebauungsplans und somit für die Öffnung des Weges schon positive Signale gegeben. Der Weg, der zwischen den Anbindungen an Westicker Feld im Westen und Eilater Weg im Osten künftig bestenfalls lückenlos entlang führen soll ist sicherlich für Radfahrer ein absoluter Pluspunkt in der Gesamtplanung. Nun sei es aber so, sagt Kühnapfel, dass gerade auf dieser kurzen Wegstrecke nach eigener Bestandsaufnahme 185 Schmetterlingsarten beheimatet seien. Auch sonst sei der Bereich ein empfindliches Ökosystem, das insbesondere auch durch Hundeführer, Radler und Schulkinder gefährdet sei, ist der Weg erst einmal offen. Er plädiert als sachkundiger Bürger daher dafür, die ohnehin kurze Strecke weiter gesperrt zu halten und statt dessen eine Umleitung einzurichten. Angesichts der Tatsache, dass im Rahmen der Öko-Gutachten immerhin der Ansiedlung von vier Arten von Fledermäusen und den Schlafplätzen von Dohlen im angrenzenden Wäldchen Rechnung getragen wurde und der Weg ohnehin im „Hoheitsgebiet“ des Lippeverbands liege und somit gar nicht über den Bebauungsplan, sondern nur über eine Änderung des Flächennutzungsplans geöffnet werden könne, konnte Erster Beigeordneter Dr. Uwe Liedtke nur auf die irgendwann anstehende Entscheidung im Rat verweisen – dann werde man sehen, welche Prioritäten gesetzt werden. Die stehen für Sachverständigen und ADFC-Kreissprecher Heinrich Kissing jetzt schon fest: Es gebe ohnehin zuwenig Raum für Radverkehr, so Kissing. Beleuchtet werden soll der Weg jedenfalls weiterhin nicht, egal ob offen oder gesperrt, versichert Erster Beigeordneter Liedtke als Antwort auf die Frage nach möglichem „Licht-Smog“.

Die Vermarktung der Neubauflächen solle indessen ab 2021 in Angriff genommen werden. Die Verwaltung ist optimistisch, dieses Ziel parallel zu den Erschließungsmaßnahmen im Hemsack umsetzen zu können. Die Wohneinheiten, die an der Seseke entstehen sollen, seien trotz der attraktiven Lage nicht zwingend als Nobeldomizile vorgesehen, sagt Liedtke. Der Bebauungsplan ist für Mehrfamilienhäuser ebenso offen wie für Mietshäuser oder Bungalow-Einheiten. Es sei auch durchaus denkbar, dort geförderten Wohnraum zu schaffen. Fest stehe nach Einsehen des Gutachtens nur, dass nicht mehr als zwei Stockwerke drin sind.

Quelle: kamenweb.de, Alex Grün