Stadt und GWA wollen „Alibikompostierung“ entgegen wirken

Richtig kompostieren will gelernt sein: Stadt und GWA wollen dabei helfen. Foto: Archiv

Kamen. Die Stadt Kamen und die Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft des Kreises Unna (GWA) wollen künftig in Sachen Abfalltrennung und Gebührengerechtigkeit noch enger kooperieren.

Im Umwelt- und Klimaausschuss stellte Andreas Hellmich, Leiter Abfallberatung und Öffentlichkeitsarbeit der GWA, besonderen Handlungsbedarf im Bereich Eigenkompostierung und Abfalltrennung mit der Biotonne fest. Immer noch sei ein Viertel dessen, was als Restmüll verbrannt wird, in Wirklichkeit Biomüll, erklärt Hellmich. Störstoffe in den Biotonnen sorge für regelmäßige Umdeklarierungen ganzer Fahrzeugladungen zu Restmüll, außerdem führten fehlende Biotonnen zu Fehlbefüllungen der Restmülltonne – auch bei den Bürgern, die Eigenkompostierung angemeldet haben, aber aufgrund mangelnden Fachwissens oder aus Ignoranz nicht wissen, wohin mit ihrem Biomüll. Die Folgen seien unnötige Mehrkosten durch die Verbrennung von Bioabfällen, das Entstehen geringerer Verwertungsmengen als möglich und gesetzlich vorgegeben – und auch eine ungerechte Verteilung der Gebühren, in der Regel zu Lasten der Haushalte, die ihren Müll sachgerecht sortieren. Rund 35 Prozent der Haushalte seien Eigenkompostierer, wobei der Großteil nur einen Teil seiner kompostierfähigen Abfälle sachgerecht entsorgt: Große Mengen kompostierfähiger Abfälle wie Essenreste, Küchenabfälle oder sogenanntes Unkraut würden über die Restmülltonne entsorgt -„Alibikompostierung“ ist das Stichwort.Um diesem Missstand entgegen zu wirken, sollenangemeldete Eigenkompostierer, die weiterhin auf den Anschluss an die Biotonne verzichten wollen, künftig sozusagen „gecoacht“ werden.

Grundsätzlich gilt nach dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes, dass alle kompostierfähigen Abfälle zu kompostieren sind, und zwarauf dem eigenen Grundstück. Zu Hilfe genommen werden kann dabei auch die kürzlich vom Umweltbundesamt herausgegebene „Kompostier-Fibel“. Die Eigenkompostierer sind also künftig angehalten, bei Verzicht auf den Anschluss an die Biotonne ihr Fachwissen nachzuweisen. Diesbezügliche Kontrollen werden bereits seit zwei Jahren durchgeführt. Erweisen sich die Eigenkompostierer zum wiederholten Mal als unfähig, gibt es den zwangsweisen Anschluss an die Biotonne, die derzeit rund 7.700 Haushalte in Anspruch nehmen – Hellmich rechnet demnächst mit einem Anstieg. Konkret heißt das: Alle Eigentümer von Kamener Grundstücken, auf denen mindestens eine Restmülltonne, aber keine Biotonne steht, werden in den kommenden Wochen angeschrieben und bekommen die Option, einen Antrag auf die Biotonne zu stellen. Kommt nach dem zweiten Anschreiben keine Antwort, müssen die Eigentümer damit rechnen, dass ein Mitarbeiter der GWA erscheint und nach dem Rechten sieht. „Biotonne und Eigenkompostierung sollen sich ergänzen, nicht gegenseitig ersetzen“, erklärt Diplom-Raumplaner Hellmich. Im Umwelt- und Klimaausschuss stieß der Vorstoß vom Stadt und GWA auf geteilte Meinungen. CDU-Mann Karsten Diedrichs-Späh kritisierte, dass die Biotonne künftig praktisch aufgezwängt werde, die sonst auf freiwilliger Basis beantragt werden konnte. Sachkundiger Bürger Klaus-Bernhard Kühnapfel sprach sich für ein kleineres Tonnenmodell als Ergänzung zur Eigenkompostierung aus. Eine 30-Liter-Tonne würde für die Haushalte allerdings keine effektiven Einsparungen gegenüber den üblichen 80-, beziehungsweise 140-Liter-Tonnen bringen, kontert GWA-Mann Hellmich. „Richtig kompostieren ist eine Kunst“, sagt SPD-Ausschussmitglied Heinrich Behrens. Man müsse die Eigenkompostierer daher bei der fachgerechten Entsorgung ihrer Abfälle unterstützen, betonte der erfahrene Eigenkompostierer im Ausschuss.

Quelle: kamenweb.de, Alex Grün