SOMMERLERNEN GEGEN CORONA-DEFIZITE: BERICHT IM SCHULAUSSCHUSS

Kamen. 30 Dritt- und Viertklässler der Kamener Grundschulen, die nach Einschätzung ihrer Lehrkräfte in ihren Lebensverhältnissen besonders unter der Coronakrise zu leiden hatten, können kostenlos am diesjährigen Sommerlernen der Stadt Kamen und des Fördervereins für Jugendhilfe e.V. (FörJu) teilnehmen.

Das Sommerlernen in diesem Jahr steht natürlich – wie könnte es anders sein – hauptsächlich im Zeichen von Corona. Belastungen aus der Zeit der Isolation abfedern – das sei das erklärte Hauptziel des Sommerlernens 2021, erklärte Johannes Gibbels, Fachbereichsleiter Familie, Jugend, Schule und Sport der Stadt am Mittwoch im Schul- und Sportausschuss. Der ständige Wechsel zwischen Distanz- und Wechselunterricht habe seine Spuren ebenso hinterlassen wie die Einschränkung der sozialen Kontakte. Wichtige Erfahrungswerte durch Exkursionen und Klassenfahrten seien auf der Strecke geblieben. Zumindest sei das Problem vieler Familien, keinen Zugang zu digitalen Lerninhalten zu haben, weitgehend erledigt, so Gibbels. Alles in allem aber seien die psychosozialen Auswirkungen gerade für sozial benachteiligte Kinder längst nicht absehbar.

Obwohl sich das reguläre Angebot in diesen Sommerferien aufgrund von Coronamaßnahmen bei der Essensausgabe auf den Tageszeitraum von 8.30 bis 12.30 Uhr beschränkt, gibt es viele attraktive Angebote, die auch den Eltern die langersehnte Atempause von der „Dauerbelagerung“ durch ihren Nachwuchs verschaffen. Die Kinder selbst sollen eine Stärkung des Selbstbewusstseins und des Wir-Gefühls erfahren und die Möglichkeit bekommen, ihre Talente zu erkunden und auszuleben. Unterstützung geben soll es dabei von drei Referendaren aus Bergkamen – die meisten Lehrer werden nach den aufzehrenden Corona-Monaten eine Verschnaufspause brauchen, die sie, wie SPD-Fraktionsvorsitzender Daniel Heidler aus eigener Erfahrung im Schuldienst wisse, auch „bitter nötig“ hätten.

Weitere Unterstützung gibt es von zwei Grundschullehrerinnen aus Methler, die sich zur großen Freude des Fachbereichs für Schwimmunterricht für die Maxi-Kinder aller Kitas und die Erstklässler der Grundschulen angeboten haben. Stattfinden sollen insgesamt 33 Kurse mit je acht Kindern von der ersten bis zur sechsten Ferienwoche. „Die interessierten Eltern rennen uns jetzt schon die Bude ein“, sagt Gibbels, dem die Wichtigkeit von Schwimmunterricht angesichts steigender Badeunfälle von Nichtschwimmern bewusst ist. Ursprünglich habe man nur mit 77 Anmeldungen gerechnet, es werden wohl einige mehr werden. Zu verdanken sei diese Möglichkeit auch den Gemeinschaftsstadtwerken als Träger der Bäder. Der gewünschte Obolus pro Kurs beträgt 10 Euro.

Ein weiteres Highlight außerhalb des Regelangebotes verspricht ein Ausflug ins Weltall zu werden – allerdings nicht mit einem Raumschiff, sondern in einem „Mobilen Pop-Up-Planetarium“, das in der Sporthalle des Bürgerhauses Methler aufgestellt wird. Unter einer aufblasbaren Kuppel können ferne Planeten, Sterne und astronomische Ereignisse erforscht oder virtuelle Spaziergänge auf dem Mars im 360-Grad-Bild unternommen werden.

Täglich werden bis zu fünf Vorstellungen für verschiedene Altersstufen angeboten. Kitas, OGS-Gruppen, Ferienkinder oder Familien können die mobile Sternwarte während der ganzen vierten Ferienwoche von montags bis sonntags besuchen, wobei ab freitagnachmittags für Familien eine Gebühr von 3 Euro pro Kind und 5 Euro pro Erwachsenem fällig werde.

Die 30 Plätze im Regularbereich des Sommerlernens seien praktisch schon ausgebucht, das Potential sei ausgereizt, erklärte Fachbereichsleiter Gibbels. Bürgermeisterin Elke Kappen plädierte im Ausschuss dafür, die Regelangebote in den nächsten Jahren finanziell und personell zu stärken, um möglichst alle bedürftigen Kinder zu erreichen. Rückschritte seien durch die Pandemie deutlich zu beobachten, so SPD-Fraktionschef Heidler aus eigener Berufserfahrung als Lehrer. Diese Defizite könne man freilich nicht in ein paar Wochen aufholen. Daher sprach auch er sich für eine Ausweitung des Angebotes an, was aber nur mit mehr Personal machbar sei, so Heidler. Trotzdem sei er dankbar für das „klasse Angebot“, das auch CDU-Fraktionsvize Ralf Langner als „mehr als reines Nachhilfeprogramm“ würdigte.

Glückwünsche bekamen Lars Wollny für seinen offiziellen Dienstantritt als Leiter des Gymnasiums in der letzten Woche und Mirko Peters für den als stellvertretender Leiter der Jahnschule. Peters freue sich, wieder in Kamen zu sein, nachdem er bereits vor acht Jahren als Lehrer an der Jahnschule und danach in Dortmund tätig war und nun zurück ist.

Quelle: kamenweb.de, Alex Grün