KAMENER SPD FEIERT WIEDERWAHL VON OLIVER KACZMAREK

Daumen hoch für Direktkandidat Oliver Kaczmarek (m.): zur Verteidigung seines Direktmandates gratulierten auf der Wahlparty des SPD-Unterbezirks auch Bürgermeisterin Elke Kappen und Fraktionschef Daniel Heidler. Fotos: Alex Grün für KamenWeb.de

Kamen. Mit einer überragenden Mehrheit wurde SPD-Bundestagskandidat Oliver Kaczmarek am gestrigen Wahlsonntag von seinem Kreis im Amt bestätigt. Er selbst erlebte die eigene Wiederwahl und den Wahlsieg der SPD in seiner Heimatstadt. So richtig feiern konnten in der Sesekestadt letztlich auch nur die Sozialdemokraten. Die Reaktion der anderen lokalen Vertreter der Parteien, die sich um die Kanzlerschaft bewarben, war eher verhalten.

46,17 Prozent der Erststimmen in seinem Wahlkreis vereinte Kaczmarek auf sich, 39,7 Prozent der Zweitstimmen fielen für seine Partei aus – ein wenig überraschendes Ergebnis: bereits bei der letzten Bundestagswahl verteidigte er sein Direktmandat mit einem Ergebnis von 38,8 Prozent, legte also sogar noch nach. Dementsprechend groß war die Freude auf der Wahlveranstaltung des SPD-Unterbezirks in der Gaststätte Opera, auf der neben Direktkandidat Kaczmarek und Fraktionschef Daniel Heidler auch Bürgermeisterin Elke Kappen und weitere Vertreter der Verwaltung mit den heimischen Genossen feierten. Das Ergebnis seiner Partei in seinem eigenen Wahlkreis und insbesondere seiner eigenen Stadt, in der er mehr als die doppelte Stimmenzahl im Vergleich zu CDU-Konkurrent Hubert Hüppe kassierte, mache ihn besonders glücklich, so Kaczmarek. Noch vor einem halben Jahr hätte er mit diesem Ergebnis nicht gerechnet, gesteht Kaczmarek, zum Zeitpunkt seiner Nominierung standen die Prognosen noch bei rund 15 Prozent. Die Trendwende sei aus seiner Sicht vor rund sechs Wochen eingetreten, nun sei „einer der längsten Wahlkämpfe der bundesrepublikanischen Geschichte“ endlich beendet. Ziel sei für ihn als Abgeordneten eine Regierung ohne Beteiligung der CDU, so Kaczmarek – die Union müsse sich erst einmal von innen heraus erneuern. Im Gegensatz zu denen, die die Arbeitsaufnahme einer neuen Regierung noch in weiter Ferne sehen, ist Kaczmarek optimisch: sein zeitliches Wunschziel sei noch vor Weihnachten, „eher vorher, so Anfang Dezember“, prognostiziert er. Dass er gerade in seiner Heimatstadt wieder einmal einen so großen Zuspruch erfuhr, freute Kaczmarek besonders, der eigens zur Wahl nach Kamen gereist war und dessen Zug zurück nach Berlin am Montag um 7 Uhr schon wieder losfuhr.

Kaczmareks CDU-Kontrahent Hubert Hüppe aus Werne hat trotz des für die Union insgesamt enttäuschenden Ergebnisses nach dem vorläufigen Ergebnis Grund zur Freude: mit Platz 21 auf der Landesliste würde er nach derzeitigem Stand der Dinge in den Bundestag einziehen. Das Endergebnis wird allerdings erst nach der Sitzung des Landeswahlausschusses feststehen, die voraussichtlich in der nächsten Woche stattfinden wird. Insgesamt sei man in den Reihen der Kamener CDU mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden, gesteht Ratsfraktionschef Ralf Eisenhardt die Enttäuschung seiner Parteifreunde über das Ergebnis ein. Als Teilerfolg sieht er indessen das schwache Ergebnis der Linken, das durch einen gewissen Linksruck der SPD zustande gekommen sei, die dadurch Stimmen aus der extremen Ecke zurückgewonnen habe, so Eisenhardt. Dies habe den positiven Effekt, dass CDU und SPD in ihrer Politik ein neues Profil erlangt hätten und dadurch „wieder besser unterscheidbar“ seien, erklärt der Unionsfraktionschef. Sein Dank richte sich „an die vielen Mitglieder, die unermüdlich präsent waren“, so Eisenhardt. Seine Glückwünsche an die Kamener Bündnis-Grünen für das immerhin respektable Gesamtergebnis konnte er praktischerweise gleich vor Ort entrichten: Ebenso wie die Union trafen sich auch diese zur Verfolgung der Wahlberichterstattung im „En Place“ auf dem Markt.

Dort waren die Gesichter nicht ganz so lang – wahrscheinlich, weil mit einer Kanzlerschaft von Annalena Baerbock ohnehin niemand mehr ernsthaft gerechnet hatte. Und auch, weil Direktkandidat Michael Sacher nach aktuellem Stand über die Landesliste in den Bundestag einziehen wird. Dennoch habe sich das Gesamtergebnis mit fast zwölf Prozent bei den Erst- und 13,06 Prozent bei den Zweitstimmen im Vergleich zur letzten Bundestagswahl mehr als verdoppelt, so Ortsverbandssprecher Andreas Dörlemann. Damit könne man schon zufrieden sein, „zumindest lassen wir uns das Ergebnis nicht schlechtreden“, so Dörlemann. Das Ziel auch der Bündnis-Grünen vor Ort sei eine Regierungsbeteiligung, erklärt Ortsverbandssprecherin Tanja Wronski. Dabei sollten aus Sicht der Kamener Bündnis-Grünen einerseits keine Zugeständnisse zu Ungunsten des Klimaschutzes gemacht werden, andererseits müsse dieser sozial verträglich gestaltet werden. Die Frage nach einer Koalitionspräferenz auf Bundesebene lassen die Ortsverbandssprecher diplomatischerweise unbeantwortet: Jetzt seien erst einmal SPD und CDU am Zug, sagt Dörlemann.

Einen Erfolg jenseits der Parteiergebnisse hatten auf jeden Fall die Wahlhelfer-Teams zu verzeichnen: die Beteiligung an dieser Bundestagswahl habe in keinerlei Verhältnis zur schlappen Wählerzahl bei der Kommunalwahl gestanden, berichtet Wahlhelfer Heinrich Behrens, der im letzten Jahr nach eigenem Bekunden mehrmals beinahe hinter seiner Schutzscheibe eingeschlafen wäre – im Vergleich dazu habe der Laden diesmal gebrummt, die Wahlbeteiligung in Kamen lag bei stolzen 76,52 Prozent.

BUNDESTAGSWAHL 2021: OLIVER KACZMAREK AUS KAMEN (SPD) HOLTE DAS DIREKTMANDAT

Quelle: Kamenweb.de, Alex Grün